städtebaulicher Ideenwettbewerb

Ankauf
Ulrich Holzscheiter und Angelika Holzscheiter, Architekten
Veronika Richter, Landschaftsarchitektin
aus dem Preisgerichtsprotokoll:

Konzeption
Rückgrat des Konzepts besteht aus zwei Nord-Süd-Achsen; einmal der als See gedachte "Grünzug" und zum anderen eine schnurgerade Allee, die eine Zäsur zum Stadtteil Pfersee herstellt. Die Ausgestaltung des geforderten Grünzugs als Wasserfläche ist nicht nur aus technisch –wasserwirtschaftlichen Gründen ein falscher Ansatz. Die Allee läßt weder einen Bezug zur vorhandenen Stadtgestalt erkennen, noch zeigt sie sinnfällige Bezugspunkte. Die sehr klare, jedoch auch eher starre innere Struktur der Gesamtanlage zeigt, daß hier ein neues Stadtgebiet entsteht, das sich deutlich von Pfersee abhebt, und wenig Neigung hat, sich in die vorhandene Struktur zu integrieren. Auf den Bestand der Kaserne wird wenig Rücksicht genommen.

Programm und Funktionen
Die kleinräumige Mischung von Wohnen, Dienstleistung und Läden im Ostteil der Anlage als Versuch, an die urbane Mischung von Pfersee anzuknüpfen, geht von einem unrealistischen Bedarf aus. Die drei kleinen platzartigen Plätzen entsprechen in keiner Weise den Entwicklungsmöglichkeiten. Die Struktur des westlichen Siedlungsteils mit vier Raumeinheiten gibt flexible Möglichkeiten, Gewerbe anzusiedeln.

Gestaltung
Die innere Raumbildung im Wohn- und Gewerbeteil ist eher konventionell und einförmig. Die durchgehende dreigeschossige Wohnbebauung riegelt das Wohngebiet von der schönen Seeseite völlig ab.

Freiräume
Die freiraumplanerische Idee der Kombination von nord-süd- und ost-west-gerichteten Außenräumen ist tragfähig. Die drei ost-west-gerichteten Grünräume reagieren auf den Ort angemessen, mit einer parkartigen Gestaltung, die die quartiersbezogenen Nutzungen (Sport/Spiel) aufnimmt. Dagegen erscheint die in Nord-Süd-Richtung aufgesägte Wasserfläche als überzogene, formale Geste. Das räumliche Konzept bleibt aber auch ohne Wasserflächen stabil. Die an die baumbestandene neue Strasse im Osten angelagerten Plätze bieten die Möglichkeit für einen interessanten Eingang ins neue Quartier, müssen aber auf das tatsächliche Potential der definierten Nutzungen abgeprüft werden. Der Vorschlag, an die KZ-Außenstelle durch ein Bodendenkmal zu erinnern, ist eine guter Beitrag

Umwelt
Die Durchlüftung entsprechend der Hauptwindrichtung ist gut umgesetzt. West-Östliche Schneisen begünstigen lokale Winde (Kaltluft). Die intensive Begrünung verhindert intensive Überwärmungsbereiche. Die langen zusammenhängenden Gebäuderiegel schränken das Windfeld intensiv ein. Getrennte Verkehrserschließung für Gewerbe und Wohnen vermeidet hohe lufthygienische Belastungen. Gewerbebebauung mit Lärmschutz an der B 17 führt zu einer guten Abschirmung.






Verkehr
Gute Vernetzung innen und nach aussen für Fuß- und Radwege auch über die Wasserfläche hinweg. Völlige Trennung der MIV-Erschließung in West- und Ostbereich. Das Kappen der Nestackerstrasse führt zu unzureichender Vernetzung im MIV, der Süd-Ost-Boulevard als Erschließung ist sehr dominant und konterkariert die überlieferten Ost-West-Verbindungen. Stark dominante Stichstrassenerschließung mit Trennung von MIV und Fußgängerverkehr.

Realisierbarkeit
Die Ausgestalung des Grünzugs als See ist wirtschaftlich unrealistisch. Das sehr homogene Stadtsystem läßt keine flexible Entwicklung des Gebiets in vernünftigen Einheiten zu. Die Wohnbebauung bringt eine ausreichende Wertschöpfung, ohne das mögliche Attraktivitätspotential zur ökologischen Planung ausgeschöpft zu haben (Westseitenorientierung)

Bewertung
Die Arbeit hat zwar viele Qualitäten, zeigt aber wenig Beiträge zu der langfristig ausgelegten Stadterweiterung von Pfersee.