städtebaulicher Ideenwettbewerb

engere Wahl
Jürgen Böbel, Architekt
Jürgen Ziebandt, Landschaftsarchitekt
aus dem Preisgerichtsprotokoll:

Es wird ein Neuanfang gesucht ohne Rücksicht auf Vorhandenes in der Kaserne. Damit verschwinden vorhandene Qualitäten (Grasiger Weg-Ost/West Grünzüge) ohne dass überzeugende neue Strukturen entstehen. Durch einen neuen N-S-Grünzug wird eine Trennung von Gewerbe mit Sonderflächen und Wohnen mit Mischgebietsflächen erreicht. Das Gewerbe nimmt den Bogen der Westtangente auf und verstärkt mit seiner Dichte deren Belastung. Im Gegensatz dazu knüpft die Wohnbebauung an den Bestand in Pfersee an und zerfließt in den Park hinein.

Das Programm wird erfüllt, wobei ein Streifen Mischnutzung, ein Streifen Wohnnutzung, ein Streifen Grün-nutzung und ein Streifen Gewerbenutzung schematisch aneinandergereiht sind. Die Wohnbebauung lässt eine offene Entwicklung zu, auch hinsichtlich der Himmelsrichtungen. Allerdings sind nur S-N-Luftschneißen vorhanden und keine Westwindöffnung. Die Funktionen sind streng getrennt in zwei Stadtquartiere, die nur durch Fußwege miteinander verbunden sind. Die Bewältigung unverträglicher Nutzungen erfolgt durch Abstand.

Es werden keine die Umwelbedingungen an der B 17 verbessernde Lösungen angeboten. Die Regenwassernutzung kann den angedachten See und den ökologischen Wasserhaushalt nicht wesentlich begründen.
Die Gestaltung führt zur Blockbildung im Gewerbe- und Hotelbereich, im Wohnbereich westlich der Fried-hofsachse ist kein deutliches Gestaltungskonzept erkennbar. Dort wird die soziale Struktur von "wir da vorne – ihr dahinten" bestimmt. Gestalterisch entsteht keine positive Spannung innerhalb der Wohnquartiere und zwischen diesem und dem großstädtischen Gewerbekomplex.

Der Preis für die Ausformung dieses kräftigen S-N gerichteten Grünzuges ist mit der Aufgabe einer Freiraumverbindung in die angrenzenden Landschafträume nach Westen über die B 17verbunden. Der zentrale Grünzug integriert den Baumbestand, weist aber mit den Wasserflächen des Teiches ein an diesem Ort nicht gewünschtes und konzeptionell auch nicht konstituierendes Element auf. Die O-W-gerichteten Freiraumzäsuren sind als Verbindungselement nicht deutlich genug markiert bzw. konterkarrieren sich durch die vorgeschlagenen Nutzungen (Parkplatz) selbst.

Ein interner Austausch ist durch ein Fußwegenetz möglich, wobei Mängel in der Orientierung bestehen. Die MIV – Erschließung ist nicht ausreichend. Das Wohngebiet kann nur über zwei Straßen erreicht werden, das Gewerbegebiet nur über eine Zufahrt von der B 17. Im Wohngebiet endet die Allee im Nirgendwo. Die ÖPNV Erschließung erfolgt nur randständig im nordöstlichen Bereich.

Die Wirtschaftlichkeit ist noch vertretbar, aber mit nicht absehbaren Nutzungsformen (Kongresszentrum) verbunden. Hohe Kosten werden für den Unterhalt Park / Wasser erwartet, die in die Erschließungskosten einfließen. Eine abschnittsweise Realisierung im Gewerbeteil dürfte kaum möglich sein. Hohe Abbruchkosten sind zu erwarten, da praktisch keine bestehenden Gebäude erhalten werden. Die Wohnnutzung bedingt Verwertungsumkehr, da die attraktiven Flächen zuerst verwertet werden müssen. O-W-Orientierung ist nicht optimiert.

Es ist nicht erkennbar, dass die Arbeit für eine flexible Umsetzung offen ist. Der Versuch gehobenes Wohnen mit großstädtischen Gewerbeflächen zu kombinieren ist nicht überzeugend.