städtebaulicher Ideenwettbewerb

Ankauf
Hans Schlude und Karl Ströhle, Architekten
Michael Glück, Landschaftsarchitekt
aus dem Preisgerichtsprotokoll:

Konzeption
Prägend für die Arbeit ist der anderweitig nicht gemachte Vorschlag, einen großzügigen Freiraum weit im Westen des Gebietes von Norden nach Süden zu führen. Dieser Freiraum erweitert sich fingerartig nach Osten in die Wohngebiete und schafft dadurch eine Vielzahl bevorzugter Wohnlagen am Rande der Freiflächen.

Programm
Die Funktionen werden deutlich separiert in Gewerbe/Dienstleistungen einerseits und Wohnen andererseits. Dies setzt zwar die Programmstellung nicht exakt um, vermeidet aber dadurch mögliche nachbarschaftliche Konflikte. Die mit der Vorgabe der Mischnutzung angestrebte Nähe von Wohnen und Arbeiten wird durch die Zuordnung eines Teils der gewerblich genutzten Flächen, anzunehmenderweise der nichtstörenden, im direkten baulichen Zusammenhang mit der Wohnnutzung erreicht.

Funktion
Die gewerblichen Bauflächen im Westen sind durch die vorgeschlagenen Bauformen in einseitiger Weise vorstrukturiert und damit den voraussichtlich breit gestreuten Anforderungen nicht gewachsen. Die punktförmigen Wohnhäuser am Ostrand der Freifläche sind unangemessen aus dem Siedlungszusammenhang der Wohnbebauung gerissen.
Zum Schutz der Nutzungen vor Lärmimmissionen von der Bundesstraße fehlen Aussagen. Insbesondere in den Obergeschossen ist mit Nachteilen zu rechnen.
Positiv wird die Erhaltung vieler Altbauten gesehen. Insbesondere überzeugt der Vorschlag zur Aufnahme des ehemaligen KZ-Gebäudes in die Bau- und Freiflächenstruktur.

Umwelt
Eine Durchlüftung entsprechend der Hauptwindrichtung ist gegeben, erreicht aber die Schwerpunkte der Neubebauung nicht hinreichend. Die Anordnung der Gewerbebauten im Südwesten ist formal bestimmt, nicht durch energetische Überlegungen.

Gestaltung
Die Raumbildung, welche in der Herausarbeitung der Nahtstelle zwischen Freiraum und Bebauung liegen könnte, ist graphisch formuliert, nicht jedoch in den gewählten Bauformen. Innerhalb der Baufelder ist die Raumbildung eher spannungsarm. Die besondere Bauform des Kasinos wird nicht durch den erforderlichen Freiraum gewürdigt.







Freiräume
Der Vorschlag eines 'grünen Gürtels' entlang der B 17 stellt einen interessanten Beitrag dar. Durch den fehlenden Lärmschutz wird dieser Freiraum jedoch als Immissionspuffer missbraucht. Die Konzeption der großen Grünschneise wird geschmälert durch ein Überspielen der darin erhaltenen Altbauten, die mit Erschließung und Umfeld sicher empfindlich in den Freiraum eingreifen werden. Die Ost-West gerichteten Außenräume zwischen den einzelnen Bauquartieren bieten Raum für quartiersbezogene Nutzungen. Das Konzept der Wohninseln zwischen grünen Fingern leidet jedoch unter den zusätzlichen Ausfransungen zur Unterbringung von Folgeeinrichtungen und Freiflächennutzungen. Das vorgeschlagene Konzept läßt eine gute Integration des Baumbestandes erwarten, nutzt aber das Spannungspotential zwischen gewachsenen Strukturen und neuelandschaftsarchitektonischen Elementen nicht.

Verkehr
Die strikte Trennung der Kraftfahrzeugerschließung in Ost- und Westteil verhindert eine dichte städtische Vernetzung, was insbesondere bei zäsurübergreifenden Funktionszusammenhängen fragwürdig wird. Die in der Realisierung notwendige Ausstattung der Stichstraßen im Wohngebiet mit Wendehämmern ist konzeptionell nicht vorbedacht. Die Erschließung der erhaltenen Altbauten ist nicht hinreichend nachgewiesen.

Wirtschaftlichkeit
Der Anteil der nichtvermarktbaren Fläche liegt über dem Orientierungswert und über dem Durchschnitt der eingereichten Arbeiten. Das dargestellte Fingersystem führt zu hohem Erschließungsaufwand, insgesamt ist die Wirtschaftlichkeit jedoch noch ausreichend. Eine abschnittweise Realisierung scheint störungsfrei möglich zu sein, allerdings nicht in der angegebenen Kleinteiligkeit.

Zusammenfassende Würdigung
Der besondere Beitrag dieser Arbeit liegt in der weit nach Westen verschobenen Nord-Süd-Zäsur, die mit ihren Ausuferungen eine Vielzahl bevorzugter Wohnlagen generiert. Die Umsetzung und Ausarbeitung wird der Klarheit dieses Konzeptes jedoch nicht immer gerecht.