städtebaulicher Ideenwettbewerb

Ankauf
MORPHO-LOGIC Architektur und Stadtplanung
Ingrid Burgstaller, Architektin
Michael Gebhard, Landschaftsarchitekt
aus dem Preisgerichtsprotokoll:

Für die Konzeption der Arbeit sind räumliche und nicht strategische Überlegungen konstitutiv. Ein Neuanfang wird gesucht, in dem die Formentwicklung des bestehenden nur eine untergeordnete Rolle spielt. Der städtebauliche Raum wird gegliedert von zwei sich durchdringenden keilförmigen Grünachsen, die auf wesentliche Bezugspunkte außerhalb und innerhalb des Wettbewerbsbereiches orientiert sind. In diesen Grünraum der nur teilweise bestehende Grünbestände aufgreift sind erhaltenswerte Bauten der Kaserne als Erinnerungsstücke ein- und angelagert.

Die vorgeschlagene Gegenüberstellung von offenen Parkflächen und baumüberstellten Straßenräumen ist tragfähig. Durch das Angebot von nord-süd- und ost-west-gerichteten Freiräumen wird das Gebiet gut an die angrenzenden Landschaftsräume angebunden. Die innerhalb der Wohnquartiere angebotenen Plätze können zur Identitätsbildung beitragen. Während sich die Idee der Platanendächer stimmig aus der Analyse des Bestandes ableitet, bleiben die Aussagen zum Park sehr formalistisch. Auf unterschiedliche bauliche Situationen (Parkrand oder Bestandsgebäude) oder auf den Baumbestand wird nicht reagiert.
Das Zielbild baumüberstandener grüner Strassenräume wird durch eine Überinstrumentalisierung mit Park-plätzen und Fahrbahnen kontakariert.

Das in den Bogen der Westtangente eingespannte Parkkreuz gliedert das Gebiet in den westlichen Teil, mit gewerblicher Entwicklung und einen westlichen zum Wohnen. Nutzungsmischung ist nicht vorgesehen und nicht nachträglich möglich – sie erscheint aber auch wegen der räumlichen Nähe nicht erforderlich.

Für das Gewerbe wird ein einziges Modul vorgeschlagen, das eine hohe Dichte entsprechend der guten Er-reichbarkeit von der Westtangente aufweist. Allerdings ist nicht nachvollziehbar, das dieses Modul auch im Randbereich der B 17 vorgeschlagen wird und hier nicht eine offenere Bauform gewählt wird, die auf die Belastung reagiert.

Der Wohnbereich wird zusätzlich gegliedert durch ein "Angerkreuz", das den vorhandenen Grasiger Weg aufgreift und zu einem neuen nord-süd-gerichteten Platanen überstandenen Weg vom Westfriedhof zur Uhlandwiese vernetzt.
Dadurch entstehen übersichtliche Wohnquartiere die überzeugend mit einem differenzierten Angebot zu gelungenen Nachbarschaften entwickelt werden können.

Die geschlossene Randbebauung hat Probleme bei der Vermarktung und kann gleichzeitig das Mikroklima nachhaltig beeinflussen.








Sowohl der Grasiger Weg als auch der neue nordsüdgerichtete Straßenraum sind mit ihrer Gliederung in Fußwege, Senkrechtparkstreifen, Fahrgassen und teilweise Straßenbahn nicht dem Grünkonzept entsprechend und bedürften einer grundsätzlichen Überarbeitung.

Die verkehrliche Erschließung mit dem MIV wird bezüglich der Nutzungen Gewerbe und Wohnen klar ge-trennt und ist wirtschaftlich machbar, wobei der Anschluß der Strassen an den Knoten der Westtangente überarbeitungsbedürftig ist.
Das Fußwegesystem ist netzartig gut orientierbar.
Die Straßenbahn wird in das Wohngebiet eingeführt, wobei in Kauf genommen wird, daß der Westfriedhof nicht mehr direkt mit dem ÖPNV erreichbar ist.
Die vorgeschlagene Tieferlegung der B 17 und des Knotens mit der Leiterhofener Straße ist nur mit hohem Aufwand und Eingriff in das Grundwasser machbar.

Die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes ist wegen der hohen baulichen Dichte und dem Umfang des Baulandes gut gegeben, wobei eine schrittweise Realisierung nicht nachgewiesen aber denkbar ist. Das Mischungsverhältnis von Geschoßwohnungen zu Eigenheimen ist verwertungsattraktiver auf Grund der gelungenen Anbindung an die Grünräume.

Eine zügige Umsetzung des Entwurfes wird angenommen, das bisherige zwiebelförmige Wachstum des Stadtteiles Pfersee dient nicht als Vorbild sondern es wird ein selbstständiges neues Stadtquartier mit eigener Identität entstehen.