Ideen- und Realisierungswettbewerb
Freiraumplanung Reese-/ Sheridan-Kaserne, Augsburg
Aufgabe
Anlass, Sinn und Zweck des Wettbewerbs
Im Westen der Stadt Augsburg wurden in den Jahren 1993 bis 1998 durch
den Abzug der amerikanischen Streitkräfte große militärische Areale zur
zivilen Nutzung freigegeben. Daraus ergaben sich neue Möglichkeiten zur
Stadtentwicklung inmitten der gewachsenen Siedlungsbereiche. Die
Entwicklung und Eingliederung dieser innerstädtischen Gebiete in das
Stadtgefüge stellt eine große Herausforderung dar und wird seitens der
Stadt Augsburg vor die Weiterentwicklung der Außenbereiche gestellt.
Die erste freigegebene Kaserne war 1993 die Prinz-Karl-Kaserne mit rd.
10 ha Fläche im Planungsraum Hochfeld. Nach Durchführung eines
städtebaulichen Wettbewerbs entstand in dem neuen Prinz-Karl-Viertel
ein citynahes Wohngebiet.
1994 folgte die Übergabe der Flak-Kaserne mit rd. 29 ha
Grundstücksfläche für die Nachnutzungen Gewerbe und Wohnen.
Im Dezember 1994 wurde die Reese-Kaserne in Augsburg Kriegshaber
mit einer Fläche von ca. 48,2 ha an die Bundesrepublik übergeben.
Das größte und letzte Kasernenareal, die Sheridan-Kaserne mit rd. 70
ha, wurde am 17.12.1998 in die Planungshoheit der Stadt Augsburg
überführt. Voraussichtlich Mitte des Jahres 2004 soll die Fläche aus dem
Besitz der Bundesvermögensverwaltung in den Besitz der Stadt Augsburg
übergehen.
Die Rückgabe des Areals Supply-Center, der Versorgungseinrichtung
der amerikanischen Streitkräfte, mit rd. 14 ha an die Bundesrepublik
erfolgte 1998. Das Areal wurde mittlerweile vom Bund an einen Investor
veräußert, mit dem die Stadt Augsburg einen städtebaulichen Vertrag
abgeschlossen hat.
Vorrangiges Ziel war und ist eine in sich abgestimmte Gesamtentwicklung
des Augsburger Westens. Zu den bestehenden städtebaulichen
Planungen und Festsetzungen kommt dem grünordnerischen
Entwicklungsziel eines großflächigen, zusammenhängenden Grünzuges
große Bedeutung zu.

Wettbewerbsaufgabe
Zur Präzisierung der Grünplanung hat der Konversionsausschuss der Stadt Augsburg
die Verwaltung am 10.02.2004 mit der Vorbereitung eines Ideen- und
Realisierungswettbewerbes beauftragt.
Das Gebiet der Reese-Kaserne im Norden, über Supply-Center, Westfriedhof und
Sheridan-Kaserne bis hin zum Vehicle-Park im Süden stellt die einmalige Chance zur
Schaffung einer Grünverbindung in Nord-Süd-Richtung dar. Doch auch Ost-West
gerichtete Vernetzungen werden möglich, die bestehende Siedlungsgebiete nicht nur
verkehrlich anschließen lassen, sondern auch ökologisch wertvolle Grünverbindungen
schaffen. Es besteht die einmalige Möglichkeit die Freiflächendefizite in den
westlichen Stadtteilen von Augsburg zu beheben. Über das Wettbewerbsgebiet hinaus
sind Zusammenhänge mit den angrenzenden Grünräumen bis zu den Wertachauen
hin und weiteren "grünen Lungen" Augsburgs denkbar.
Der freiraumplanerische Ideenwettbewerb (Stufe 1) soll innovative Lösungsansätze für
die Gesamtentwicklung dieser Konversionsflächen erbringen, die als Grundlage in
den Realisierungswettbewerb (Stufe 2) überführt werden können.
Die zweite Wettbewerbsstufe stellt nun eine Konkretisierung eines Teilbereichs der
in der 1. Stufe als Ideenwettbewerb bearbeiteten Fläche dar. Sie umfasst im
Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen Sheridankaserne.Im Zusammenhang mit
der Umsetzung von Ausgleichsbedarf im Zuge der Realisierung des Bereichs Sheridan
sind zusätzlich Aussagen zu den Flächen südlich der B17 gefordert.


Wettbewerbsort
Die Stadt Augsburg, als "Augusta Vindelicum" von den Römern
gegründet, konnte im Jahre 1985 ihr 2000-jähriges Jubiläum feiern. Im
Mittelalter hatte Augsburg als freie Reichsstadt europäischen Rang. Im
19.Jahrhundert war Augsburg neben Nürnberg eines der Zentren der
frühen Industrialisierung in Bayern, insbesondere im Bereich der Textilund
Maschinenbauindustrie.
Gegenwärtig leben in Augsburg, der drittgrößten Stadt Bayerns, ca.
258.000 Einwohner. Das Oberzentrum Augsburg ist Sitz der Regierung
von Schwaben und seit 1970 Universitätsstadt. Die Stadt wird
wirtschaftlich durch die, alle wesentlichen Bereiche umfassende,
industrielle Produktion geprägt. Eine Ausweitung des
Dienstleistungsbereiches wird angestrebt.
Augsburg wird im Norden tangiert von der BAB 8 (München - Stuttgart),
die über die Anschlussstellen Augsburg-West und Augsburg-Ost
erreichbar ist. Weitere wichtige Verkehrsbeziehungen bestehen über die B
17 Lechaufwärts Richtung Landsberg, die B 300 nach Memmingen bzw. in
die Räume Ingolstadt (A 9 München - Nürnberg) und Regensburg sowie
die B 2 Richtung Donauwörth. Der Hauptbahnhof Augsburg ist Haltepunkt
im IC- und ICE-Netz der Deutschen Bundesbahn mit Schnellverbindungen
nach München, Nürnberg und Ulm / Stuttgart. An der Autobahnanschlussstelle
Augsburg-Ost befindet sich der Verkehrsflughafen
Augsburg - Mühlhausen mit Linienflugverbindungen zu einigen deutschen
Flughäfen.

Entwicklung des Augsburger Westens
Pfersee, schon zur Römerzeit besiedelt, dann Alemannensiedlung, wurde
im 9. Jahrhundert als Bistumsbesitz erstmals beurkundet. Die aus dem
Mittelalter stammende Kirche St. Michael, 1685 neu erbaut, war der
Mittelpunkt des alten Pfersee. Im Jahr 1861 zählte der Ort ca. 1.000
Einwohner- bis zur Eingemeindung im Jahr 1911 war die Einwohnerzahl
auf ca. 11.000 Einwohner angewachsen. Zum Stichtag 01.01.1999 waren
es 20.720 Einwohner.
Das heutige Stadtbergen ging im Zuge der Gebietsreform in den 70-iger Jahren aus
den damals selbstständigen Gemeinden Stadtbergen, Leitershofen und Deuringen
hervor, und weist bei einer Gesamtfläche von ca. 1.200 ha heute ca. 14.000
Einwohnern auf. Im Osten und Süden grenzt die Gemarkung Stadtbergen direkt an die
Stadt Augsburg an. Die Entfernung zur Stadtmitte von Augsburg beträgt ca. 4 km. Der
Markt Stadtbergen liegt somit in der engeren Verdichtungszone
des großen Verdichtungsraumes Augsburg. Geologisch gesehen liegt die
Marktgemeinde in der Lech – Wertach Ebene.
Kriegshaber ist zu Anfang des 14. Jahrhunderts mit zwei Höfen beurkundet und
gehörte den Bischöfen von Augsburg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte
Kriegshaber 600 Einwohner, 1873 bereits 1600. Die Fabrikbevölkerung von Augsburg
zog wegen der günstigen Unterkünfte oftmals in die Peripherie und die umliegenden
Dörfer. 1916 wurde der Ort in die Stadt Augsburg eingemeindet.
Auch Oberhausen, im Jahr 1150 erstmals urkundlich erwähnt, erlebte im 19.
Jahrhundert einen enormen Bevölkerungszuwachs auf Grund seiner Nähe zu
Augsburg. So erhöhte der Zuzug von Fabrikarbeitern die Einwohnerzahl von ca. 1900
im Jahr 1855 auf ca. 8100 im Jahr 1905. Die Eingemeindung in die Stadt Augsburg
fand 1911 statt.

Konversionsflächen – geschichtlicher Rückblick
Das Areal der Reese-Kaserne wurde ab dem Jahr 1806 militärisch als Exerzierplatz
genutzt.
1934 wurde mit dem Bau von Kasernen begonnen: zwei für die Artillerie und eine für
die Panzerjäger. Diese bis 1936 geschaffenen und bis heute erhaltenen Bauten
prägen auch heute noch die Struktur und das bauliche Erscheinungsbild des Areals.
Die U.S. Army übernahm 1946 die Gebäude der Reichswehr und führte weitgehend
die frühere Nutzung fort. Hinzu kamen Neubauten von meist untergeordneter Art.
Mit Beginn der 80er Jahre wurden Straßen und Wege neu gepflastert oder asphaltiert
und mit dem Bau von Freizeiteinrichtungen begonnen.
Bereits 1937/38 wurden die Lagergebäude auf dem heutigen Gelände des Supply-
Centers errichtet und zu Versorgungszwecken des Militärs genutzt. Auch hier führte
die U.S. Army die frühere Nutzung fort und richtete den US-Verbrauchermarkt (PX)
ein.
Durch das Deutsche Reich wurde in den Jahren 1936/37 drei weitere Kasernen in
Pfersee erbaut. Dazu gehörten die Neue Infanterie-Kaserne, die Luftnachrichten-
Kaserne und die Heeresnachrichtenkaserne, die jedoch nicht mehr fertig gestellt
wurde. Das seinerzeit als Kasernenstandort bebaute Gelände ist weitgehend identisch
mit dem Umgriff der Sheridan-Kaserne.
Im Gebäude 116, einer ehemaligen Fahrzeughalle befand sich ab April 1944 ein
Außenlager für KZ-Häftlinge, die zur Zwangsarbeit in der Flugzeugproduktion
eingesetzt waren. Die dort untergebrachten ca. 1500 bis 2000 Häftlinge wurden vom
Konzentrationslager Dachau hierher gebracht.
Im Jahr 1945 wurden die im Krieg kaum zerstörten Liegenschaften durch die U.S.-
Army beschlagnahmt. Die drei Kasernen wurden zur Sheridan-Kaserne
zusammengefasst und nahezu unverändert als Kaserne weitergenutzt. Von 1945 bis
1998 waren in der Sheridan-Kaserne motorisierte Einheiten stationiert.

Wettbewerbsgelände
Der Wettbewerbsort erstreckt sich im wesentlichen über die neu zu nutzenden
ehemaligen US-Kasernenstandorten im Augsburger Westen.
Das ca. 100 ha große Wettbewerbsgebiet durchläuft diese Fläche als Nord-Süd
gerichteter Grünzug mit einer Gesamtlänge von ca. 4.000 m und einem Höhengefälle
von ca. 6 m. (Sheridan Süd 482,00 üNN, Reese Nord 476,30 üNN). Darin
sind die Übergänge in den bestehenden und teilweise neu zu errichtenden
Siedlungsbereichen noch nicht enthalten. Die im Bearbeitungsplan dargestellte
Grenze des Wettbewerbsgebietes ist somit als weiche Grenze zu verstehen,
Übergänge sollen mit thematisiert werden.
Eingebettet in die Stadtteile Kriegshaber und Pfersee, sowie angrenzend an die
Stadtteile Oberhausen im Osten, Bärenkeller im Norden, sowie dem Markt
Stadtbergen und Leitershofen im Westen und Süden waren die Gebiete durch ihre
bisherige Funktion als Militärstandort nicht nutzbare Flächen im Gesamtstadtgefüge.
Durch ihre hervorragende Lage zur Stadt und zum westlich angrenzenden
Landschaftsraum „Naturpark Westliche Wälder“ werden sie in Zukunft eine
herausragende Bedeutung erhalten.
Die Anbindung erfolgt im wesentlichen über die Ulmer Straße und Bürgermeister-
Ackermann-Strasse (Reese-Kaserne), sowie über die Stadtberger/Augsburger und
Leitershofer Strasse (Sheridan-Kaserne).
Das Wettbewerbsgebiet setzt sich überwiegend aus ehemaligen militärischen Flächen
zusammen, dessen einzelne Kasernenareale einer städtebaulichen Neustrukturierung
unterzogen werden.
Der Stand der diversen bauleitplanerischen Verfahren wird in einem späteren Kapitel
detailliert erläutert.
Der neu zu schaffende Grünzug stellt das Rückgrat der neu entstehenden
Siedlungsflächen dar, die ihrerseits keine neuen Stadtteile bilden, sondern als
Arrondierung und Ergänzung der bestehenden Stadtviertel zu verstehen sind.
Der Grünzug ist Verbindungsglied zwischen den angrenzenden Stadtteilen und der
Umgebung. Er vernetzt diese sowohl landschaftsräumlich, ökologisch als auch
verkehrstechnisch funktional durch die geplanten Fuß- und Radwegeverbindungen.
Der zu bearbeitende Wettbewerbsbereich weist derzeit noch einen hohen Grad an
Versiegelung auf. Nicht versiegelte Bereiche sind überwiegend durch Rasen bzw.
rasenartige Gesellschaften mit unterschiedlichen Sukzessionsstadien, sowie in den
meisten Bereichen durch wertvollen Baumbestand gekennzeichnet.

Zusätzlich wurde in der 2. Stufe in das Bearbeitungsgebiet ein Geländestreifen entlang
der B17 (für beschleunigten Fahrradweg und Lärmschutz) sowie entlang des
Nestackerweges (Schlaugraben) aufgenommen.Besonders verwiesen wird auf die
geänderte Lage des Schulstandortes und der damit entstandenen Verbreiterung der
Grünfläche am „Mittleren Weg“, die der besseren Anbindung an das „PferseerSchlössle“
dient. (siehe Abbildung)

Die Schulfreiflächen sind in das Freiflächenkonzept zu integrieren.

Mit in das Wettbewerbsgebiet aufgenommen ist die Unterführung unter der B17 in
Verlängerung des „Westlichen Wälder Weges“ (sog. Panzerunterführung). Hierzu
werden Gestaltungsvorschläge erwünscht.Der Bereich südlich der B17 entspricht der
Ausdehnung in der 1. Wettbewerbsstufe.
Die hierfür in einem größeren Maßstab abgefragten Inhalte dienen vor allem als Nachweis der Umsetzbarkeit der Ausgleichsmaßnahmen.