Protokoll Stadtteilarbeitskreis 15. November 2001

Stadtteilarbeitskreis vom 15. November 2001, 20 Uhr

Ort: Bürgerhaus Pfersee, Stadtbergerstr. 17
Moderation: Urbanes Wohnen e.V. München, Frau Skok
Anwesend: ca. 30 TeilnehmerInnen
Gäste: Stadt Augsburg - Herr Wimmer, Herr Dr. Demharter,
Frau Steude, Herr Ohrem, Herr Weber, Herr Mairoser, Herr Sterz
Stadtrat: Frau Kamm, Herr Erben
AGS: Herr Deutschmann
Geschichtswerkstatt: Herr Forster
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1. Begrüßung und Erläuterung der letzten Schritte der Bürgerwerkstatt, Frau Skok

Der Stadtteil AK begleitet seit dem letzten Jahr das städtebauliche Wettbewerbsverfahren für die Sheridan-Kaserne. Schwerpunkte der Arbeit waren die Empfehlungen für die Auslobung des Wettbewerbs und im Sommer 2001 die Begutachtung der prämierten Entwürfe. Die Wettbewerbsjury hatte dem Stadtrat empfohlen, die ersten 5 Preisträger mit einer Weiterbearbeitung zu beauftragen. Dem Stadtteil AK wurde daraufhin die Gelegenheit geboten, seinerseits Empfehlungen zur Weiterbearbeitung der 5 Entwürfe zu formulieren. Dies erfolgte u.a. im Rahmen eines workshops am 15.09.01.

Der Konversionsausschuß der Stadt Augsburg hat nun in seiner letzten Sitzung über das Thema der Weiterbeauftragung beraten.


2. Beschluß des Konversionsausschusses, Herr Dr. Demharter

Herr Dr. Demharter berichtet über die Sitzung des Konversionsausschusses, in der entgegen der Beschlußvorlage des Stadtplanungsamtes, alle 5 Entwürfe weiter zu bearbeiten, beschlossen wurde: "Die Verwaltung wird beauftragt, den Planer des 1. Preises für eine Weiterbearbeitung zu beauftragen."
Herr Dr. Demharter erläutert, dass s.E. weder die Kostenfrage noch die Zeitfrage ausschlaggebend für diesen Beschluß waren, sondern vielmehr die Empfehlungen und Aussagen der Bürgerwerkstatt, den 1. Preis weiter zu bearbeiten. Das Stadtplanungsamt wird diesem Beschluß folgen. Dr. Demharter weist ausdrücklich darauf hin, daß die Empfehlungen zu den anderen Entwürfen nicht verloren gingen und als Anregungen in die weitere Arbeit mit einbezogen würden.

Im Rahmen der Weiterbearbeitung des 1. Preises werden nun:
- die städtischen Stellen und Träger öffentlicher Belange zur Stellungnahme aufgefordert
- das Amt für Stadtentwicklung um eine Vorlage bezüglich des Bedarfs und der finanziellen Rahmenbedingungen gebeten.


Von Seiten der Planer sollen insbesondere folgende Bereiche vertieft werden:
- Begutachtung der Lärmsituation
- Anbindung und verkehrliche Erschließung und deren Wirkungen

Zu einem späteren Zeitpunkt muss festgelegt werden welche Bauabschnitte in welcher Priorität vermarktet und erschlossen werden sollen (Zeiträume 10-15 Jahre)

Als nächster Schritt ist die Rahmenplanung vorgesehen, woraus sich dann 3-4 Bebauungspläne, die Erschließungsleistungen und die Vermarktung ergeben.

Geklärt werden muss darüber hinaus die weitere Beteiligung des Stadtteil AK.

3. Beiträge und Diskussion zum Beschluß des Konversionsausschusses und weiteren Verfahren

Der Stadtteil AK sieht in dem Beschluß des Konversionsausschusses die Ergebnisse des Bürgerengagement nicht gewürdigt, sondern vielmehr entwertet. Dies störe die Kommunikation zwischen Verwaltung, Bürgern und Stadtrat erheblich. Die Favorisierung des 1. Preises sei so nicht aus den Empfehlungen des AK herauszulesen. Mitglieder der Bürgerwerkstatt hätten sich nicht fünf Stunden mit den Entwürfen aller Preisträger beschäftigt, wenn sich der Arbeitsauftrag klar nur auf die Auswahl des besten Entwurfs bezogen hätte.

Herr Wimmer betont nochmals, daß sich die Entscheidung nicht gegen die Bürgerwerkstatt richtete, sondern alle Punkte der Empfehlungen weiter aufgegriffen werden könnten.

Frau Kamm, Stadträtin der Grünen, weist darauf hin, daß der Antrag auf ausschließliche Weiterbearbeitung des 1. Preises von Herrn Weber im Konversionsausschuß gestellt wurde. Die Gründe lägen bei den Kosten (ca. 100.000 DM bei einer 40 %igen Förderung durch die Oberste Baubehörde).

Ein Vertreter der Vereine weist darauf hin, daß die sportlichen Belange und Vereinsbelange auf der Strecke blieben. Wie werde das Ehrenamt berücksichtigt, wo gibt es Möglichkeiten der Nutzung bestehender Gebäude und was sei mit dem Bekenntnis der Stadt, sie wolle doch etwas für die Vereine tun ?

Im weiteren stellte der AK die verfahrenstechnische Frage an die städtischen Vertreter, inwieweit sich der Stadtrat nochmals mit dem Beschluß des Konversionsausschusses befassen könne. Wichtig sei es, den Unmut des Stadtteil AK an die Mitglieder des Konversionsausschuses weiterzugeben. Herr Wimmer erläuterte daraufhin, daß es verfahrenstechnisch möglich sei, die Meinung des Stadtteil AK in den Konversionsausschuß am 11.12.01 einzubringen und um nochmalige Befassung zu bitten.

Frau Steude erläuterte, dass der Wettbewerb als Ideenskizze zu verstehen ist, die Inhalte einer vertiefenden Weiterbearbeitung wurden bereits von Herrn Demharter erläutert. Sinnvoll sei es sicherlich, die Planer zu einem Austausch in den Stadtteil AK einzuladen, um weitere Punkte/Standorte/Sport/zeitliche Komponenten etc. zu bearbeiten. Die Ideenskizze münde dann in den Rahmenplan als Grundlage für die Änderung des Flächennutzungsplans und im weiteren in die Ausarbeitung der Bebauungspläne.
Der Vertreter der AGS, Herr Deutschmann erwidert auf die Anfrage der Vereine, dass es wichtig sei zu wissen, wie ernsthaft die Erwartungen und der Bedarf der Vereine sei. Dies müßte konkretisiert werden durch die Rahmenplanung und indem Planer auch in die Bürgerwerkstatt kommen. Baubeginn sei frühestens in 3 Jahren. Zum Thema Sportflächenverlagerung (Dierig-Sportflächen) sei eine Zusammenarbeit mit dem Sportamt und den Vereinen notwendig.

Ein weiterer Diskussionspunkt berührte den Antrag zur Landesgartenschau 2010: Die Entscheidung fällt im März 2002. Bei einer positiven Entscheidung für Augsburg ist dann ein landschaftsplanerischer Wettbewerb erforderlich. Auf Anfrage, mit welchen Schwerpunkten die Bewerbung eingereicht wurde nennt Frau Steude das Thema "Raum und Zeit". "Raum" beziehe sich auf die verschiedenen Zonen innerhalb der Grünanlage, "Zeit" auf die Geschichte der Kaserne und das Zeitkapital der Bäume. Hierzu wird auch ein Faltblatt erscheinen und es wird eine Ausstellung im Rathaus dazu geben.

Im Anschluß der Diskussion erfolgte eine kurze Zusammenfassung des Stimmungsbildes und der Beiträge durch Frau Skok. Sie weist die anwesenden Arbeitskreismitglieder darauf hin, dass sie ggf. selbst aktiv werden könnten, um den Wunsch des Stadtteil AK zu befördern, den Beschluss zur Weiterbearbeitung des Wettbewerbs nochmals auf die Tagesordnung des Konversionsschuß in der Dezember-Sitzung zu bringen und im Sinne der Beschlußvorlage des Planungsamtes und des Stadtteil AK entscheiden zu lassen.


4. Expertise der Geschichtswerkstatt zum Augsburger Westen, Herr Forster

Herr Forster stellt die Expertise der Geschichtswerkstatt vor, zu der es eine Kurzfassung von 25 Seiten gibt, die der Bürgeraktion zur Verfügung gestellt wird. Grundlage der Expertise war der Kosolidated-Plan 87/90 der Amerikaner mit Nutzungsangaben zur NS-Zeit und zur Nutzung durch die Amerikaner.

Die Empfehlungen der Expertise beziehen sich u.a.
- auf den Erhalt einer oder mehrerer Teil-Ensembles als Symbol für Militärarchitektur bzw. KZ-Historie (z.B. Offizierskasino, KZ-Halle),
- auf eine fotografische Dokumentation des Geländes,
- auf eine Zeitzeugen-Dokumentation,
- auf spez. amerikanische Wohnsiedlungen

Herr Wimmer dankt der Geschichtswerkstatt für die außerordentliche Leistung. Zum Erhalt von Gebäuden gibt es bereits Entscheidungen. Erhalten werden sollen das Abraxas, die ehemalige Kommandatur für das Kreiswehrersatzamt, der Kindergarten, 1-2 Gebäude für das Hauptzollamt – bei allen anderen Gebäuden ist noch keine Entscheidung gefallen. Bei einer Kasino-Nutzung müßten erhebliche Umbauten vorgenommen werden. Zum KZ-Außenlager regt Herr Wimmer persönlich an, darüber nachzudenken, ob es wirklich möglich sei, die Grauen des KZ´s an diesem Ort nachzubilden.

Was passiert nun weiter mit der Expertise?
Die Stadt wird ein Teil der Expertise zu einer Ausstellung verarbeiten, die die bauliche Seite und den "way of life" der Amerikaner vorstellt.
Die Empfehlungen der Expertise sollten außerdem im Stadtteil AK zur Diskussion gestellt werden.
Insbesondere sollten die verschiedenen Ideen der Nutzung der KZ-Halle und des Kasinos diskutiert werden. Zum ersteren wird auch ein Austausch mit dem AK-Versöhnung empfohlen.

5. Anregung für den weiteren Prozeß der Bürgerbeteiligung

Die Bürgeraktion berichtet über ihre Exkursion nach Tübingen und empfiehlt eine Einladung der dortigen Vertreter der Entwicklungsmaßnahme (Herrn Feldtkeller) nach Augsburg. Dadurch könnten wieder neue Visionen angeregt und der weitere Planungsprozeß neu belebt werden.

Protokoll: 29.11.01
UW/Helga Jäger

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