Ergebnisprotokoll zur 11. Sitzung des
Stadtteilarbeitskreis Sheridan Kaserne
Thema „Verkehrserschließung Individualverkehr“
am 16. Januar 2004, 19 Uhr

Ort:
Pfarrgemeindesaal Herz-Jesu-Kirche
Franz-Kobinger-Str. 10

Moderation:
Urbanes Wohnen e.V. München, Frau Skok

Anwesend:
ca. 130 Besucher insbesondere Anwohner des
benachbarten Stadtteils Pfersee-Süd sowie
Mitglieder des Stadtteilarbeitskreises Sheridan-Kaserne

Stadt Augsburg:
Stadtbaurat Herr Dr. Demharter, Stadt-Dir. Herr Stadler,
Stadtplanungsamt Frau Steude

Stadträte: Frau Kamm, Frau Vollert

Verkehrsplaner: Herr Huber-Erler, Büro R+T
Herr Wösthoff, Büro Dorsch Consult



1. Begrüßung und Vorstellung des Ablaufs
durch Frau Skok ,Urbanes Wohnen e.V.


2. Vorstellung des Planungsverlaufs und der bisher durchgeführten umfangreichen Bürgerbeteiligung seit 1999 bis heute
durch Herrn Dr. Demharter, Stadtbaurat


3. Präsentation der Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung
durch Herrn Wösthoff (Dorsch Consult) und der Erschließungsvarianten zum Individualverkehr durch Herrn Huber-Erler (Büro R+T)

- Zweck der Berechnung, Vorgehensweise, Annahmen, Analyse 2003 und Prognose-Nullfall 2015
- Planfall 1: Grasiger Weg für Kfz-Verkehr gesperrt (=Wettbewerbsentwurf)
- Planfall 2: Grasiger Weg für Kfz-Verkehr durchgängig befahrbar mit reiner Verbindungsfunktion
- Planfall 3: Grasiger Weg für Kfz-Verkehr durchgängig befahrbar mit interner Erschließung
- Fazit und Empfehlung für die Erschließungsvariante Planfall 1


4. Zusammenfassung der Beiträge der Bürger aus der AK-Sitzung im Mai 2003 zu den Erschließungsvarianten durch Frau Jäger, Urbanes Wohnen e.V.

Plandarstellungen, Bewertungen der Planer und die ausführlichen Beiträge der Bürger siehe website: www.sheridan-kaserne.de, Stadtteilarbeitskreis Verkehr


5. Zusammenfassung der wesentlichen Beiträge und Fragen der Bürger:

Es können hier nur die wesentlichen Fragen und Antworten wiedergegeben werden; z.T. wiederholten sich die Beiträge, weshalb auf eine nochmalige Darstellung der Antworten verzichtet wurde. Teilweise wurden Stellungnahmen der Bürger der Vollständigkeit halber wiedergegeben, eine Beantwortung war z.T. nicht erforderlich. Stellungnahmen und Fragen der Bürger sowie Antworten der Planer wurden daher im Folgenden zugunsten der Übersichtlichkeit und Lesbarkeit themenspezifisch zusammengefaßt.


Fragen zur Verkehrsuntersuchung:

- Es wurde gebeten, das Verfahren der Verkehrszählung und -prognose (Verkehrssimulationsmodell) nochmals zu erläutern.

- Der Prognose-Nullfall weise gegenüber der heutigen Situation Verkehrssteigerungen bis zu 50 % im Jahr 2015 auf. Bei Öffnung des Grasiger Wegs entstehe eine zusätzliche Schneise in die Innenstadt. Wurde bei der Prognose auch bereits die Verkehrsberuhigung mit Tempo 30 auf der Augsburger Str. berücksichtigt?

- Es bestehe weniger das Problem mit der Verkehrsplanung und –untersuchung, die sich mit Zahlen und Statistiken beschäftigt, sondern es handele sich hier um ein multifaktorelles Problem. Die Untersuchung berücksichtige nicht das reale Leben. Warum könne man nicht verkehrsberuhigende Maßnahmen probeweise angehen und auf dem Sheridan-Gelände (probehalber) den Grasiger Weg öffnen und dann die Verkehrsbelastung messen?


Antworten:

Verkehrszählungen werden seit Jahren regelmäßig an den wichtigsten Straßen durchgeführt. Die Daten werden in einem Computerprogramm erfasst, das selbständig Verkehrsströme erzeugt und so das voraussichtliche Verkehrsaufkommen auf den Straßen des Netzmodells prognostiziert. Die vom Programm selbständig errechneten Verkehrsbelastungen werden mit den tatsächlich vorhandenen (im Erfassungsjahr) nochmals verglichen und angepasst (kalibriert), so dass man davon ausgehen könne, dass die Prognosedaten für die Zukunft der Realität sehr nahe kommen. Die Verkehrsuntersuchung basiere auf den neuesten Zählungen von 2002/03 und bilde die aktuelle Datenbasis für die Prognose 2015.

Die kürzlich erfolgte Einführung der Verkehrsberuhigung auf der Augsburger Str. sei dabei noch nicht berücksichtigt. Dies habe jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Planvarianten zur Verkehrserschließung des Sheridan-Geländes, da für alle Varianten die gleichen Grundlagen, nämlich die Augsburger Straße vor dem Umbau, zugrunde gelegt werden.

Das „reale Leben“ werde mit dem Verkehrssimulationsmodell sehr genau getroffen. Es handele sich hier nicht um eine Statistik, die aufgrund von Zahlen Rückschlüsse anstelle, sondern um ein Programm, das mit exakten Ist-Daten gefüttert wurde, die nach der Verteilung der Verkehrsströme durch das Programm nochmals mit der Realität abgeglichen wurde. Zudem könne man nicht Maßnahmen ausprobieren und dann wieder ändern (der Aufwand und die Kosten wären hierfür zu hoch), darin begründe sich schließlich die Notwendigkeit eines Verkehrssimulationsmodells. Die wesentlichen negativen Auswirkungen (starke Verkehrszunahme) würden außerdem erst bis zum Prognosehorizont, also bis zum Jahr 2015, eintreten.


Stellungnahmen und Fragen zu den Erschließungsvarianten:

- Gibt es beim Planfall 1 – Schließung des Grasiger Wegs und Anschluß des Gewerbegebiets an Grasiger Weg und an die Leitershoferstr. – auch die Untervariante, das Gewerbegebiet ausschließlich an den Grasiger Weg anzuschließen, um so die Leitershoferstr. zu entlasten?

- Wie viele Menschen werden künftig auf dem Gelände leben und wie berechne sich die Bevölkerungsstruktur?

- Insgesamt führen beim Planfall 1 fünf Straßen des künftigen Wohngebietes auf die Bgm.-Bohl-Str. und belasten diese. Warum können diese Wohngebiete nicht über den Grasiger Weg erschlossen werden?

- Warum werde der Grasiger Weg überhaupt gesperrt?

- Muß bei einer Schließung des Grasiger Wegs auch der Rettungsdienst, der sich evtl. dort ansiedelt, außen herum fahren?

- Spricht sich für die Schließung des Grasiger Wegs aus, um den Grüngürtel als Schneise zu erhalten. Zum ÖPNV – wo kehrt der Bus?

- Warum könne der Grasiger Weg nicht eine Entlastungsfunktion übernehmen? 1000 Autos weniger (auf der Leitershofer Str.) würden eben doch etwas ausmachen. Die Augsburger Str. sei schon so vermurkst. Die Stadt Augsburg will sich dort auf dem Gelände eine Oase der Ruhe als Aushängeschild schaffen und andere Gebiete würden dagegen belastet. Die Kreuzung B17 / Leitershofer Str. sei heute schon problematisch.

- Wo blieben eigentlich die 15.000 Autos, wenn der Grasiger Weg zu wäre? Die Leute führen doch über die Bgm.-Ackermann-Str. in die Stadt.

- Wie hoch sei die Verkehrssteigerung in der Bgm.-Ackermann-Str.?

- Die Unterbrechung des Grünzuges durch die Öffnung des Grasiger Weges sei kein Argument für dessen Schließung. Der Grünzug auf dem zukünftigen Sheridan-Gelände könne auch mit einer Grünbrücke überquert werden. Das Gewerbegebiet müsse über den Grasiger Weg erschlossen werden. Ein Gelände in dieser Größenordnung könne sich nicht gänzlich von der Umgebung abschließen, sondern müsse erschlossen werden, auch über den Grasiger Weg.

- Der Arbeitskreis Sheridan-Kaserne hat dieses Thema in der Vergangenheit auch kontrovers diskutiert. Herr D. persönlich sei anfangs auch für eine Variante Öffnung des Grasiger Wegs gewesen, sehe dies aber auch als Gefahr für Pfersee.


Antworten:

Es seien auch weitere sogenannte Untervarianten untersucht worden, wie z.B. die ausschließliche Anbindung des Gewerbegebietes über den Grasigen Weg. An diesem Abend sollte jedoch, um keine Verwirrung zu stiften, die Hauptvarianten vorgestellt werden.

Auch wenn von Seiten des beauftragten Büros anfangs eher der Planfall 3 favorisiert worden sei , so sprächen die Daten der Verkehrsuntersuchung eher für die Schließung des Grasiger Wegs, daher die Favorisierung der vorgestellten Variante 1.

Es sei mit ca. 2.200 Bewohnern und ca. 4.500 Beschäftigten auf dem Gelände zu rechnen. Dadurch ergäbe sich lt. Berechnungen gesamt ca. 8.000 Kfz-Fahrten pro Tag und Richtung. Die Fahrten würden sich auf die verschiedenen Anschlüsse verteilen.

Das Gewerbegebiet sei bei der jetzigen Lösung (Wettbewerbsergebnis) über die Knoten Leitershofer Straße, Nestackerweg und Stadtberger Straße angebunden. Mit einer direkten Erschließung des Gewerbegebietes über den Grasiger Weg schaffe man sich ein zusätzliches Problem für Pfersee und für das gesamte Gebiet, da der Gewerbeverkehr die vorhandenen und künftigen Wohngebiete belasten würde.

Direkte Wege für den Rettungsdienst seien selbstverständlich möglich, z.B. mit Schranken, die für den ÖPNV, Ver- und Entsorgungs, sowie Rettungsfahrzeuge geöffnet werden können.

Zur Verteilungsgerechtigkeit: Bei allen Planvarianten sei der Verkehr gerecht verteilt. Bei einer Öffnung werde das Gebiet im wesentlichen von mehr „Durchfahrern“ missbraucht, es komme zu mehr Verkehr.

Durch die Öffnung des Grasiger Wegs werde eine Ost-West-Achse geschaffen, die zusätzlich Verkehr anziehe. Die Attraktivität dieser zusätzlichen Achse erkläre sich aus der Überlastung der Alternativen (z.B. Bgm.-Ackermann-Str., Leitershofer Straße).


Stellungnahmen und Fragen zu verkehrsberuhigenden Maßnahmen:

- Stadträtin Frau Kamm: In den westlichen Randgemeinden um Augsburg, wie z.B. in Diedorf wurden durch die starken Verkehrssteigerungen Umgehungsstraßen gebaut, (der Ausbau des Schienennetzes blieb dagegen weiterhin auf bescheidenem Niveau), weshalb immer mehr Individualverkehr in die Stadt Augsburg hereingeführt werde, der hier nicht mehr zu verkraften sei. Auf der B 17 gebe es z.T. Geschwindigkeitsbeschränkungen (ehemals von den Amis eingeführt) nicht jedoch im Abschnitt entlang des Sheridan-Kaserne, was nicht erklärbar sei. Sie möchte deshalb, dass überprüft werde, ob hier nicht ebenfalls eine Geschwindigkeitsbeschränkung möglich sei.
Auf der Leitershofer Str. werde ebenfalls mit zu hohen Geschwindigkeiten gefahren. Sie sei insbesondere im Eingangsbereich zu breit und daher sehr belastet. Es gäbe außerdem Straßen wie die Lutz- oder Bgm.-Bohl-Str., für die bisher keine Verkehrsberuhigung erfolgt sei. Dort wäre es aber nötig und sollte daher auf die Tagesordnung des Stadtrates kommen.

- Die Art und Weise, wie das Engagement des Stadtteilarbeitskreises durch die Bürgeraktion Pfersee-Süd herabgesetzt wurde, habe doch sehr gestört. Die Bürger Pfersees sollten beim Thema Verkehr zusammenarbeiten. Es gäbe ein Konzept der Stadt Augsburg zur Verkehrsberuhigung des Stadtteils Pfersee, das bisher nur sehr zögerlich umgesetzt worden sei. Daher der Vorschlag: Für eine schnelle Umsetzung sollten sich die Bürger von Pfersee Süd und Pfersee in Zukunft gemeinsam einsetzen.

- Zum Planfall 3: Könnte der Grasiger Weg im Osten nicht auch mit einem Kreisel ergänzt werden und damit verkehrsberuhigend wirken?

- Gibt es Kompromisslösungen zur Vermeidung des Durchgangsverkehrs, z.B. Einbahnregelung für den Grasiger Weg?


Antworten:

Man solle sich über die Wirkung von verkehrsberuhigenden Maßnahmen keine falschen Hoffnungen machen. In einem überlasteten Straßennetz werde man auch durch Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im Grasiger Weg kaum Durchgangsverkehr verhindern.

Die Verkehrssicherheit würde bei Einbahnregelungen schlechter, die Aufenthaltsqualität sinke. Einbahnstraßen verführen zu höherer Geschwindigkeit und der Rückverkehr suche sich dann andere Wege.

Stadtbaurat, Herr Dr. Demharter: Die Verkehrsuntersuchung und Verkehrsplanung böten eine gute Grundlage für die Entscheidung des Stadtrates. Sein persönliches Votum gehe zu Planfall 1, er sehe darin eine Chance für alle.

Die Entscheidung über die Öffnung Grasiger Weg müsse demnächst fallen, da sie Grundlage für die weiteren Planungen sei.

Das Ausprobieren der Öffnung des Grasiger Weges sei mit sehr hohen Ausgaben verbunden, da zusätzliche Kosten bei der Bewachung entstünden. Die Verkehrszählung und –untersuchung wurde ja insbesondere wegen der Kontroversen in Auftrag gegeben, daher solle man ihr jetzt auch vertrauen.

Erfahrungsgemäß bewegten sich die Prognosezahlen eher noch im unteren Bereich. Problem bleibe das steigende Verkehrsaufkommen in Städten ganz allgemein. In der Leitershofer Str. und Bgm.-Bohl-Str. seien Maßnahmen erforderlich. Die geplante Linie 5 in der Bgm.-Ackermann-Str. und der ÖPNV müssen leistungsfähig werden und damit eine Entlastungsfunktion für bewohnte Gebiete übernehmen.


Weitere Stellungnahmen wiederholten das bereits Gesagte und erörterten oder berührten die Gesamtplanung, weshalb hier auf eine Darstellung verzichtet wurde. Für Rückfragen hierzu wurde auf die Internetseite www.sheridan-Kaserne.de verwiesen, in der alle bisher erfolgten Planungen und Ergebnisse des Stadtteil-Arbeitskreises niedergelegt wurden, so wie auch dieses Protokoll des Abends.

5. Wie geht es weiter?

Herr Dr. Demharter erläutert das weitere Verfahren:
Zunächst wird der Stadtrat über die Rahmenplanung entscheiden. Als nächster Schritt kommt die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Einleitung eines Bebauungsplanes. Später wird das Gebiet voraussichtlich abschnittsweise in 2 bis 3 Teil-Bebauungspläne aufgeteilt werden. Mit Baurecht wird also 2005 gerechnet. Parallel dazu wird mit den Freimachungs- und Erschließungsarbeiten begonnen. Mit dem vollständigen Bezug der Sheridan-Kaserne ist frühestens in 10 Jahren zu rechnen.


4. Abschluß der Veranstaltung

Frau Skok bedankt sich bei den Anwesenden für ihre Beiträge und die sachliche Diskussion. Die umfassenden Informationen zur Verkehrsuntersuchung und –planung hätten gezeigt, dass Planer und Stadt bemüht sind, eine sinnvolle und akzeptable Lösung zu finden. Die Probleme der Anwohner im Umfeld der Bgm.-Bohl-Str. und Leitershofer Str. seien nochmals deutlich geworden und damit auch die Notwendigkeit, hier Maßnahmen zu ergreifen.
Frau Skok lädt nochmals alle Anwesenden zur Teilnahme an zukünftigen Sitzungen des Stadtteilarbeitskreises ein. Dies sei eine Möglichkeit, um die eigenen Überlegungen zur weiteren Planung des Sheridan-Geländes frühzeitig in die Diskussion einzuspeisen.


Ende der Veranstaltung ca. 22 Uhr



Protokoll vom 23.01.2004
UW/Jäger