Protokoll zur 8. Sitzung des
Stadtteilarbeitskreises Sheridan Kaserne
vom 24. Febr. 2003, 20 Uhr


Ort:
Pfarrgemeindesaal Herz-Jesu-KircheFranz-Kobinger-Str. 10
Moderation:
Urbanes Wohnen e.V. München, Frau Skok
Anwesend:
ca. 35 TeilnehmerInnen mit Vertretern von Parteien, Vereinen,
Pferseer Geschäftsleute, Bürgeraktion Pfersee, Anwohner der
benachbarten Stadtteile, Vertreter der angrenzenden Gemeinden
Stadt Augsburg: Ref. 6: Frau Steude, Herr Sterz
entschuldigt sind Herr Stadler, Herr Dr. Demharter, Herr Illner
Stadträte: Frau Haaser-Schwalm
AGS: Herr Deutschmann
S 8 Architekten: Herr Becker, Frau Specht, Mainz


0. Begrüßung durch Herrn Sterz, Stadtplanungsamt


1. Information der Bauverwaltung zum Stand der Abstimmung mit den beteiligten Referaten und Kooperationspartnern

- Die Analysephase durch die Architekten ist abgeschlossen, nun beginnt die Klärung und Konkretisierung der Planung. Dem Stadtplanungsamt liegt ein Kompendium der Architekten vor.

- Die Verkehrszählungen sind abgeschlossen, derzeit erarbeiten die Planer Konzepte. Die Vorstellung der Alternativen ist für den Mai geplant.

- Es fand ein Gespräch mit dem Werksleiter StaWA zum Thema Erschließung der Sheridan mit dem ÖPNV statt. Bezüglich der Straßenbahnschleife sind derzeit auch andere Varianten in Diskussion, da die Erschließung und der Einzugsbereich nicht optimal war.

- Vergabe einer Untersuchung zur künftigen Energieversorgung (Uni Augsburg – Physik): Die Beauftragung beinhaltet Indikatoren zur Bewertung verschiedener Energiesysteme und Szenarien, die folgende Möglichkeiten umfassen: Öl- und Gasheizungen, Biomasse, Nutzung der Fernmasse, Nahwärme aus Biomasseheizkraftwerk, Nahwärme aus Solarkollektoren und Wärmepumpen, auch Kombinationen verschiedener Techniken sollten diskutiert werden. Bei der Projektorganisation sind auch Vertreter des Stadtteil AK`s vorgesehen.

- Die Vertragsvergabe zur Marktanalyse an Uni und FH Augsburg steht kurz vor dem Abschluss.

- Der Geschichtsworkshop findet am Samstag den 5. April 2003 von 14 – 17 Uhr statt.
Ort: St. Wolfard Saal im Thaddäus Zentrum, Madison Str. 12

- BUGA-Exkursion nach München mit Vertretern angrenzender Gemeinden hat stattgefunden. Für eine Vermarktung ist die Einbeziehung und Grünvernetzung des Augsburger Westens unbedingt erforderlich. Die BUGA kann dabei identitätsstiftend wirken.

- Wegen des Grunderwerbs steht die Stadt Augsburg in Verhandlungen mit dem Bund.

- Containerzwischenlagerung auf dem Sheridan-Gelände: Wegen Überlastung des Containerterminals steht die Stadt in Verhandlungen zu einer Zwischennutzung auf dem Sheridan-Gelände. Als Standort ist der ehemalige Exerzierplatz bei der Kommandatur vorgesehen, die Zufahrt könnte über die B 17 von Westen erfolgen.

- Der Kindergarten auf dem Gelände ist seit Januar 03 in Betrieb gegangen. Hortplätze sind noch frei!


Nachfragen aus dem AK zu den Infos:

Der TSV Pfersee Augsburg, vertreten durch Herrn Kremer sucht seit 10 Jahren ein geeignetes Gelände für den Verein. Er ist sowohl an einer Zwischennutzung als auch an einer Endnutzung interessiert. Das größte Problem ist der Zeitfaktor. Bis zur eventl. Nutzung des Sherdian-Geländes könnte der Verein nicht mehr existieren, da Mitglieder weggeschickt werden müssen. Der Verein ist auch an Gebäuden wie z.B. dem Casino interessiert. Die Frage nach einer Zwischennutzung richtet sich an das BVA oder die Stadt.
Antwort: Eine Zwischennutzung wird sowohl vom Bund wie von der Stadt ausgeschlossen. Zur Klärung der Situation des TSV Pfersee stehe man jedoch gerne für einen Gesprächstermin zur Verfügung.


2. Stand der Überlegungen zu den Abbrucharbeiten mit Herrn Mayr, Amtsleiter des Bundesvermögensamtes (BVA) und Frau Winkler

Grundsätzlich sind folgende Varianten der Vermarktung denkbar: Entweder erwirbt und vermarktet die Stadt Augsburg mit ihrem Treuhänder AGS das Gelände oder der Bund verkauft die Grundstücke selbst. Gleichgültig wer das Geländer vermarktet, das BVA wird den Abbruch mit einem vorgezogenen Schadstoffgutachten europaweit ausschreiben. Hierzu braucht es Klarheit, welche Gebäude bestehen bleiben. Dabei unterwirft sich der Bund der Planungshoheit der Stadt, auch wenn der Wert sich um die Abbruchkosten mindert. Die Abbruchkosten beziffert das BVA auf ca. 10 Mio. Euro plus die Schadstoffuntersuchung. Auch nach dieser Untersuchung kann nochmals entschieden werden, welche Gebäude für eine Zwischennutzung geeignet sind. Um mehr Klarheit über die Umbaukosten für bestehende Gebäude zu erhalten ist die AGS außerdem bereit, für zwei Gebäude eine Kostenschätzung für die Umnutzung zu erstellen.


Nachfragen aus dem AK:

Gibt es eine Schadstoffprognose im Bestand?
Antwort: Nein.

Herr Kammerer machte darauf aufmerksam, daß Abbruch und Bausubstanz nicht getrennt betrachtet werden sollten, da bereits jetzt die Bausubstanz verschiedener Gebäude z.B. des Casinos gefährdet sei. Er fragte, ob es seitens des BVA Möglichkeiten des Bauunterhalts gäbe?
Antwort: Der Bund übernehme nur die Verkehrssicherung. Für den Bestandserhalt gebe es keine Mittel. Die einzige Möglichkeit Gebäude dauerhaft zu sichern bestehe darin, sie vorzeitig zu vermarkten.

Der Vertreter des TSV Pfersee hätte auch Interesse an dem Casino. Er stellt die Frage, ob das BVA nur an die Stadt oder auch an andere Investoren verkaufen könne und ob nicht Teilflächen veräußert würden?
Antwort: Bei Teilveräußerungen müßte mit jedem Investor ein Städtebaulicher Vertrag abgeschlossen werden, mit dem der Investor u.a. an den Erschließungskosten und an den Infrasturkturmaßnahmen beteiligt werde. Zudem sei es nicht möglich, ohne Gesamtkonzept einzelne Teilflächen zu erschließen. (Kanal, Wasser, Energie)

Steht das Casino unter Denkmalschutz?
Antwort: Nein. Das Landesamt für Denkmalpflege sieht in diesem Gebäude keine Einmaligkeit, da es sich bei den Kasernenbauten um immer wiederkehrende Bautypen handelt. Die Bürger könnten aber von sich aus noch einmal auf das Landesamt zugehen und eine Eintragung in die Denkmalschutzliste anregen.

Wann ist eine Nutzung des Geländes frühestens möglich?
Antwort: Es sei vorgesehen, mit ersten Verkäufen ab 2005 zu beginnen.




3. Ergebnis der Gespräche zum Vorschlag „Ganztagsgymnasium auf dem Sheridan-Gelände“

Die Gespräche mit dem Schulreferenten Herrn Schramm haben ergeben, daß das Projekt Ganztagsgymnasium aus Kostengründen nicht möglich sei. Die Stadt Augsburg (Schulreferent Herr Schramm) werde das Projekt nicht weiter verfolgen. Dies müßte in jedem Fall von Bürgerseite passieren. Sollte sich aber ein Unterstützerkreis finden, dann würde dieser seitens des Referates unterstützt. Die Bürgeraktion möchte das Projekt Ganztagsgymnasium dennoch weiter verfolgen. Eine Finanzierung könnte aus ihrer Sicht über die Zusammenlegung von städtischen Gymnasien zu einem Ganztagsgymnasium und den Verkauf von städtischen Immobilien erfolgen. Die Schüler im Westen Augsburgs könnten dazu einbezogen werden. Zudem werden Vorteile für den ÖPNV gesehen, der dann zu den Hauptverkehrszeiten in gegensätzlicher Richtung genutzt werde.


4. Diskussion zur zukünftigen Infrastruktur mit Herrn Dr. Hummel, Sozialreferent

Thesen und Stichpunkte für Überlegungen zu einer neuen Siedlungsstruktur aus Sicht des Herrn Dr. Hummel, Sozialreferent:

- Zum Erhalt einzelner Gebäude: Es müsse eine Entscheidung getroffen werden, ob die US-Architektur aufgegeben wird (dies würde den kompletten Abbruch aller Gebäude bedeuten) oder ob die komplette Siedlungsstruktur übernommen werden soll. (Letzteres würde bedeuten, die Nutzungsstruktur der Amerikaner und deren Wohnphilosophie zu übernehmen, die eine völlig andere ist).

- Die Entscheidung, alle Konversionsflächen gleichzeitig zu entwickeln bedeute, dass sie bei der Vermarktung in Konkurrenz zueinander stehen. Somit sei es wichtig, für diese Gebiete jeweils ein eigenes Profil zu entwickeln. Dabei ist die Sheridan Kaserne am ehesten geeignet, ein neues Siedlungsgebiet mit eigener Sozialstruktur entstehen zu lassen.

- Mit der Besiedlung der Sheridan-Kaserne wird Pfersee erweitert. Es sind deshalb Überlegungen zu Verbindungen und Übergängen im Bereich Grün, Verkehr anzustellen. Wie soll der Westen arrondiert werden? Werden nun alle ungelösten Probleme Pfersees wie z.B. Sportplatz etc. in den Westen verlagert?

- Mischung von Eigentumsstrukturen, neue Siedlungsstruktur

- Zur Dichte und Sozialstruktur:
Haben wir z.B. 2015 noch die klassischen Betreuungsangebote wie Kindergarten etc.? Der Bedarf ist da für Kinder und Jugendliche, aber was macht die Sheridan als Siedlungsgebiet interessant?
- Kinderbetreuung und Altenpflege in niedrigschwelliger Form
- Keine großen Einrichtungen, sondern kleinräumige, flexible Einrichtungen gemischt ins Wohngebiet
- Möglichkeit des miteinander Planens und Bauens mit Mischformen
- Steuerung des Bedarfs und der Entwicklung
- Bürgerhaus sollte angesiedelt sein zwischen Pfersee und Sheridan-Gelände
- Dezentralisierung des Jugendamtes durch z.B. Ansiedlung der Stadtverwaltung in der Sheridan
- Das Bürgerhaus könnte der Ausgangspunkt für eine neue Siedlungsstruktur sein (Pilotprojekt)
- Durchmischung von Einfamilienhaus, Reihenhaus, verdichtetem Wohnen
- Durchmischung und Flexibilität von Generationen, Pflege und Sozialversorgung, dabei Zeitachse
berücksichtigen (Tagesversorgung, Nachtversorgung).

- Die positive Vision könnte sein: Investoren, die sowohl Interesse haben an gemischtem Wohnen für Jung und Alt, als auch an dem Betrieb von Sozialeinrichtungen


Beiträge aus dem Publikum:

Wohnformen stehen und fallen mit dem Preis der Grundstücke!
Antwort: Es gelte nach wie vor, dass der Gutachterausschuß den Verkehrswert fest lege.

Die Bürger stimmen der These zu, dass der Pferseer Bedarf auch in Pfersee gelöst werden muß. Darum müßten auch bestehende Freiflächen (z.B. auf dem Dieriggelände) erhalten werden.

Herr Dr. Hummel: stellte an die Bürger die Frage, ob die Sheridan Kaserne einen Riegel darstelle oder einen Durchgang (nicht nur verkehrspolitisch, sondern was Markt, Einkauf betrifft)? Werde der Kindergarten auf dem Gelände von den Pferseern angenommen? Sei es denkbar, dass der Kindergarten das Zentrum des Wohngebietes werde?
Antwort der Bürger: Die Schwierigkeit ist, dass das Gelände hermetisch abgeschlossen ist. Dies macht eine Integration und Identifikation schwieriger.

Beitrag von Herrn Pfarrer Peschke: Der Kindergarten hat momentan 40 Kinder auf der Warteliste, wogegen der Hort noch freie Plätze hat. Die Einweihung wird stattfinden, wenn alle Gruppen voll sind.

Könnte ein Sportverein als Bindeglied dienen?
Antwort Dr. Hummel: Eine Sportanlage kann integrierend sein, ein Problem stellt allerdings häufig die Lärmbelästigung dar. Daher sollten die planerischen Überlegungen beschleunigt werden, um in das Gelände in Tranchen schneller zu erschließen. Auch sollte dabei an eine Durchmischung von Sport, Soziales bei der Besiedelung gedacht werden. Bei Verhandlungen mit dem Bund, über den Erwerb von Tranchen, sollten Grünflächen mit einbezogen werden.

Angebot von Herrn Dr. Hummel: Sollten 50 – 80 Familien/Investoren gefunden werden, wäre er bereit, bei einer Ideenwerkstatt mitzuwirken.


Protokoll 01.03.2003
UW/Helga Jäger