Ergebnisse des workshops
Zur Geschichte der Augsburger Kasernen
am 5. April 2003, 14 – 17 Uhr


Ort: St. Wolfard Saal im Thaddäus Zentrum,
Madison Str. 12

Modaration:
Urbanes Wohnen e.V.
Anwesende:
ca. 15 TeilnehmerInnen u.a. Vertreter der Geschichts-
Werkstatt Augsburg, des Architekturmuseums
Schwaben, Initiative Zwangsarbeit, Heimatgeschicht.
Verein Diedorf, SPD-Ortsverein, Süddeutsches Institut,
Vertreter der Arbeitskreise Sheridan Kaserne und
Reese Kaserne
Stadt Augsburg: Bürgermeisterin Frau Eva Leipprand,
OB Referat -Stadtdirektor Herr Stadler,
Stadtplanungsamt - Frau Steude, Herr Sterz
Hochbauamt – Herr Strüber


0. Begrüßung und Tagesordnung (UW) - Ziel der Veranstaltung
- Zusammenführung der Interessengruppen und der Beteiligten an der Ausstellung zur „Geschichte der Kasernen“ sowie interessierter Bürgerinnen und Bürger
- Ermittlung der Ressourcen der Beteiligten für die weitere Aufarbeitung und Dokumentation zur Geschichte der Kasernen
- Konkretisierung der zukünftigen Zusammenarbeit


1. Einführung durch Bürgermeisterin Eva Leipprand
Ziele des workshops aus städtischer Sicht und Aktionsmöglichkeiten vor dem Hintergrund der Bewerbung „Kulturhauptstadt Augsburg“


2. Bisherige Aktivitäten zur Dokumentation der Geschichte der Augsburger Kasernen.
Anliegen aus Sicht der Stadtplanung (Stadtplanungsamt, Ursula Steude)
Die Ergebnisse eines ersten workshops unter der Leitung des Stadtplanungsamtes wurden ausgehängt


3. Erwartungen und Schwerpunktinteressen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
an die workshop-Reihe – Ergebnisse der Kartenabfrage:


Erwartungen

- Realisierung einer musealen Einrichtung, die das Nachkriegsleben, das Nachkriegs-Augsburg darstellt. Es gibt in Augsburg bislang nur Kunstmuseen, noch kein Museum für Alltagsleben und Alltagskultur.

- Erhalten statt „Tabularasa“; erlebbare Geschichte mit den erhaltenen Gebäuden, statt „Fotogalerie“ (hier war mal eine Kaserne ....)

- Eingehen auf die deutsche und die US-Geschichte der Anlagen

- Sinnvolle Nutzung der vorhandenen Gebäude unter Beibehaltung der Architektur der 30er Jahre

- Langfristig: dauerhafte Dokumentation dieses wichtigen Teils der Augsburger Stadtgeschichte; Aktive Beeinflussung der Pläne zum Abriß bzw. zum Erhalt der Kasernengebäude

- Verantwortungsbewußter Umgang mit der erhaltenswerten Architektur (Denkmalschutz)

- Konzeption für künftige Gestaltung des Gebäudes ehem. KZ-Außenlager Pfersee; Darin integriert ERINNERUNG an die 53 Jahre US-Präsenz in Augsburg

- Hoffnung auf Umsetzung der Ergebnisse z.B. Gedenkort, Friedenspfad, KZ-/ Zwangsarbeitererinnerung

- Wissenschaftliche Aufarbeitung und seriöse Dokumentation der Geschichte der 50-jährigen Präsenz der US-Streitkräfte in Augsburg (v.a. sozio- und alltagskulturelle Aspekte)

- Geschichte des Geländes als Gesamtes 1930 – 1999 sichtbar und erlebbar lassen

- Wir kommen zu einem Konzept, wie die geschichtliche Entwicklung im Gebiet verankert dargestellt wird und zu einer lebendigen Auseinandersetzung genutzt werden kann

- Unterschied in Militärentwicklung vor allem in Reese und Sheridan gut zu beobachten. Dies soll erlebbar bleiben.

- Letztendlich soll ein Ort geschaffen werden, an dem die Geschichte erlebbar ist (kein Zuschußbetrieb)

- Auflösung oftmals verkrusteter und „schrebergärtnerischer“ Augsburger Denkstrukturen

- Ideensammlung, Gewichtung und Einordnung in die städtischen Kulturangebote

- Tiefergehende Informationen aller Art wg. Wettbewerb Europan 7

- Ideen der 1. Phase Bürgerwerkstatt (Friedenspfad, KZ-Außenlager, historisch bedeutsame Gebäude) nochmals erörtern

- Zusammenbringen unterschiedlicher Interessen und Kenntnisse zur Augsburger Kasernengeschichte; Weitergehende wissenschaftliche Aufarbeitung; Präsentation der Ergebnisse/Erkenntnisse in der Öffentlichkeit

- Direkte/sofortige Information über aktuelle Entscheidungen; möglichst Beteiligung/Information vor Entscheidungen; kein Vorpreschen Einzelner („US-Army-Museum“)

- Difinition, Präzisierungen von Schwerpunktinteressen und deren Autorisierung, damit die Nebulösität vieler Einzelinteressen und die nicht erkennbaren Möglichkeiten seitens BVA/Stadtplanung zielgerichtetes Gewicht bekommen. Es muß eine Lobbyistenfunktion entstehen mit Kraft.

- Befürchtung (negative Erwartung): workshop als „Beschäftigungstherapie/Zeitverschwendung, vergeudete Energie, während Entscheidungen anderswo nach finanziellen/ökonomischen Kriterien getroffen werden.


Schwerpunktinteressen

- Konversion einer Epoche von 1945-2000 - american way of life in Augsburg, - Kalter Krieg wurde auch in Augsburg praktiziert eben durch die Stationierung

- Geschichte NS-Zeit und Geschichte der US-Besatzungszeit ist gleichwertig; US-Militär als 50jähriger Bestandteil Augsburger Geschichte

- Gesamtkonzept für die geschichtliche Präsentation aller Kasernenflächen

- Was hat das Ganze mit „Friedensstadt“ zu tun? Thema der Gelände ist Konversion – von der Wiese zum Militärgelände zum Wohngebiet und Grünfläche und damit: von der Hochrüstungspolitik über Befreiung zum Frieden. Ein interessantes Thema.

- Historische Beratung, Ideengeber, evtl. Konzepterarbeitung

- Außenlager des KZ Dachau in Halle 116

- Etablierung einer KZ-Gedenkstätte, evtl. als „Außenstelle“ der KZ-Gedenkstätte Dachau

- Die NS-Zeit

- Kombination von Geschichtsdokumentation und Wirtschaftlichkeit

- Lokale Geschichte im zeitgeschichtlichen Kontext

- Geschichte der US-Army in Augsburg: - Zeitzeugenbefragungen, - Sicherung von Dokumenten (Broschüren, Zeitungsartikel etc.)

- Utopie: Doku-Zentrum: - Militär in Augsburg, - Zwangsarbeit in Augsburg, - Dt.-Amerikan. Beziehungen in Augsburg, - Friedensbewegung in Augsburg, und „Friedenswerkstatt“

- Historisch-wissenschaftliche Aufarbeitung: Präsentation der Ergebnisse in Form von Ausstellung und/oder Publikation, Führung durch das Gelände

- Einbeziehung von Interviews mit Zeitzeugen, Schriftliche bildliche/Überlieferung in den einschlägigen Archiven

- Darstellung von Einzelschicksalen

- Friedenspfad; Benennung der Straßen soll die Geschichte des Geländes würdigen (Thema Krieg – Frieden – Unterdrückung – Befreiung)

- Gestaltung eines völlig neuen Stadtviertels unter Einbeziehung von Vergangenheit und Zukunft – die „kreative Vision“ sollte eindeutig im Vordergrund stehen

- Bei der Konversion der Militärgelände sollten nicht nur die Funktionen „Wohnen“ und „Geschäftswelt“ eine Rolle spielen, sondern auch AKTIVE und BEWAHRENDE Kultur

- Stadtentwicklung: Wie entwickelt sich ein Gebiet zivil? Wie unter militärischen Belangen? Wie heben wir den Bruch wieder auf?

- Umgang mit historischer Substanz; Abriss – Umnutzung

- Zukunft der Augsburger Kasernen – Diskussion und Wettbewerb oder Investorenfressen?

- Organisation des Ablaufs: Bürgerbeteiligung / Planung Stadt / Umsetzung

- Die Kasernengeschichte muß für Augsburg eine gleichwertige Rangwertung erhalten wie die Römerzeit oder Bert Brecht / Rudolf Diesel / Fugger etc., adäquat wie Texteilindustrie

Fragestellungen für die weitere workshop-Arbeit (UW):

- An was soll erinnert werden? (historische Phasen, Nutzung der Kasernen)
- Welche Erinnerungsorte/Markierungen sind sichtbar oder historisch bedeutsam?
- Welche Erinnerungsstücke, Zeitzeugenprotokolle, Materialien gibt es bereits bzw. müssen erhalten, gesammelt oder aufbereitet werden?
- Welche Formen der Erinnerung sind möglich (z.B. Dokumentationszentrum, Museum, Gedenkpfad, virtuelle Ausstellung) und auch machbar angesichts der finanziellen Situation?


Weitere Beiträge und Fragestellungen der Anwesenden
zum Thema, zum Umgriff, zur Materialsammlung, zur Aufbereitung und zum Standort:


Frau Leipprand, Kulturreferentin:
Zum Zeitplan bei einer erfolgreichen Bewerbung zur Kulturhauptstadt: Im Sommer 2003 wird ein Kulturmanager bestellt, eine Arbeitsgruppe oder eine Strukturvorgabe wäre dann sehr hilfreich. Für 2010 könnte dann ein Fernziel (z.B. Ausstellung) formuliert werden. Personeller Beitrag könnte z.B. eine Person sein, die einen Nachmittag in der Woche als sog. Botschafter fungiert.

Herr Egger, AK Sheridan:
Was ist der Umgriff des Themas und des Geländes? Baubestand vor und nach den Luftangriffen? Was ist an Bausubstanz geblieben? Was wird schon in der Synagoge dargestellt zum jüdischen Leben – Verknüpfungen mit Geschichte, Thema Zwangsarbeit, Industriegeschichte – Rüstungsindustrie? Wie wird das Thema Enteignung, 1. und 2. Besatzung in die militärische Geschichte eingebracht – Berührungsängste ? Offenes Konzept ist notwendig, um den Themenbereich erweitern zu können mit dem „Friedensthema“.

Herr Fürmetz, Historiker:
Ausgehend von den Zielen – Was könnte die Perspektive sein? Modelle der Sichtbarmachung.
Vorschlag zum weiteren Vorgehen: Untergruppen bilden zu verschiedenen Aspekten wie z.B. Amerikaner, 1933-45 mit den jeweiligen Quellen, eventl. auch mit verschiedenen Darstellungsformen.

Frau Wolff, Historikerin:
Ergänzung der Beiträge zur Ausstellung könnte im Internet angeboten werden, die Grundlage hierfür ist schon da.

Herr Kammerer, AK Sheridan:
Geschichtliche Betrachtungsweise steht im AK Sheridan im Vordergrund. Was ist das Thema? Blick auf die Kasernen oder Amerikaner in Augsburg?

Herr Feuerer, Stadtarchiv:
Eigentlich schreit alles nach einer Ausstellung des Materials – einmalig oder als Dauerausstellung.

Frau Steude, Stadtplanungsamt:
Wo ist das Museum richtig? Frage der Anbindung? Ist dafür das Gebäude 116 geeignet?

Frage der Wirtschaftlichkeit und der Finanzierungsmöglichkeiten:
Alle Kasernen sollten berücksichtigt werden z.B. auch bis zurück ins 19. Jahrhundert.
Vorschlag – Ausstellung mit den baulichen Phasen als Grundgerüst um die soziale und menschliche Seite ergänzen.
Von der Seite des Kulturreferats ist in den nächsten Jahren kein Museum (mit ca.-Betriebskosten von 500.000 pro Jahr) möglich.

Herr Taubert, Süddeutsches Institut für nachhaltiges Wirtschaften und oeko-logistik GmbH:
Es müssen neue Finanzierungskonzepte entwickelt und innovative Ideen des Sponsoring umgesetzt werden.


4. Was ist das angestrebte Ziel der Anwesenden und welche personellen,materiellen oder inhaltlichen Beiträge können die TeilnehmerInnen des workshops zur Aufarbeitung und Dokumentation der Geschichte leisten:


Teilnehmer/in

Ziele

Beitrag

Herr Stadler,

OB-Referat

Alle Areale aufarbeiten und Kontext erstellen zu unserer heutigen Zeit in Bezug auf 

-        Geschichte

-        Dokumentation des american way of life

Mitarbeit im weiteren Arbeitskreis

(Eventl. Mittel durch †berschüsse sind nicht zu erwarten)

Herr Feuerer, Stadtarchiv

-        Erinnerung an Augsburg als Drucker- u. Verlagsstadt

-        Synagoge soll als offene Begegenungsstätte umgenutzt werden - ãFriedenspfadÒ

-        Gebäude 116 als Gedenk-Au§enstelle Dachau?

-        Museum für Alltagskultur

Material des Stadtarchivs wird zur Verfügung gestellt

Herr Lorenz,

Heimatgeschichtl.Verein Diedorf

-        Gebäude 116 sollte erhalten werden

-        Zeitzeugenbefragungen aufnehmen u. sammeln

Verfahrensvorschlag:

Unterarbeitskreis sollte sich damit befassen

Herr Lohrmann

Die Zeitzeugenbefragung ist aufgrund des Alters zeitlich befristet, es mü§te aufgelistet und dokumentiert werden.

Eher Bewahren o. Informationsstätte anstatt Museum

Hat alles fotografiert, wo Amerikaner gelebt haben Ð ca. 1000 Fotos

Herr Gayer,

SPD-Ortsverein

Aufarbeitung der Nazi-Zeit

Form der Erinnerung: Doku-Park

Langfristige Mitarbeit mit Unterstützung

Herr Deutschmann, AGS

Interesse an Konzept zur Geschichte der Kasernen

 

Herr Strüber,

Hochbauamt

Hätte gerne einige Gebäude erhalten.

Auflistung über Funktionen der Gebäude und der Bauinvestitionen (war 17 Jahre für den Bauunterhalt der Kasernen zuständig).

Herr Fürmetz,

Historiker

Wissenschaftliche Publikationen incl. Kasernen vor 1933, da leichter zu kalkulieren

Buchprojekt;

Datenbank oder Zusammenarbeit über Nutzung und Bauzustand der Gebäude

Frau Wolff,

Architektur-

museum Schwaben

-        Publikationen erstellen

-        Trennung der Teilbereiche

-        Eine feste Ansprechperson, bei der alles anläuft, dies kšnnte die Basis sein für eine Dokumentationsstelle

-        Weitere Darstellung/Ausstellung der amerikanischen Präsenz in Augsburg

-        Dokumentation der NS-Zeit

-        Z.B. Erhalt des Gebäudes 116 als Erinnerungsort

 

Fortsetzung der bisherigen Arbeit

 

Kontakte zur Uni intensivieren

 

Wissenschaftliche Aufarbeitung (Frage der Finanzierung von Publikationen)

Herr Forster,

Geschichtswerkst.

ãAugsburg als FriedensstadtÒ und ãAmerikanerÒ

Dokumentationszentrum und Friedenswerkstatt

…ffnung der Sheridan, um Abschied zu nehmen

Für jede Zeitphase oder Untergruppe andere Formen sinnvoll:

-        Führungen/Abschied zur Sheridan

-        Konzept zu Seminar/Werkstatt

Herr Kucera,

Geschichtswerkst.

Initiative Zwangsarbeit

Arbeitsschwerpunkt ist Initiative Entschädigungen und Zwangsarbeit, Zeitzeugengespräche

Finanzierungsquellen suchen für Dokumentation z.B. EU-Mittel

Herr Egger,

AK Sheridan

Abschied von der Sheridan

Vermittlerfunktion zum AK Sheridan

Frau Leipprand,

Kulturreferat

Im Rahmen der Bewerbung zur Kulturhauptstadt wäre ein Konzept zur Aufarbeitung der Geschichte der Kasernen in Augsburg sehr hilfreich

Mittel sind zunächst hierfür nicht zur Verfügung;

Studenten aus dem Bereich Kulturmanagement gewinnen, die eine Diplom-Arbeit zum Thema schreiben oder ein Projekt einrichten



5. Wie geht es weiter?

Für eine Weiterarbeit sind in einer nachfolgenden Expertenrunde/AK Geschichtswerkstatt folgende Fragen zu klären:
Wie arbeitet die Arbeitsgruppe weiter zum Thema zusammen, wer ist beteiligt?
Sollte eine Internet-Seite eingerichtet werden, wer ist Ansprechpartner und aktualisiert und betreut die Seiten?
Wer leitet die weitere Koordination und moderiert die Arbeitsgruppen?
Wer ist Herausgeber von Veröffentlichungen?
Wo werden die Ergebnisse des workshops präsentiert – Website des Stadtplanungsamtes oder des Kulturreferates?






Protokoll:
UW/Jäger
12.05.03