2. öffentlicher workshop
zur Geschichte der Augsburger Kasernen


am Freitag 26. September 2003 von 14:00 – 18:00

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Ergebnisprotokoll des 2. workshops
zur Geschichte der Augsburger Kasernen



Ort:
Kulturhaus Abraxas
Sommestr. 33

Moderation:
Urbanes Wohnen e.V.
Anwesende:
ca. 20 TeilnehmerInnen u.a. Vertreter der Geschichts-
Werkstatt Augsburg, des Architekturmuseums
Schwaben, der Initiative Zwangsarbeit, SPD-Pfersee u.
CSU-Pfersee, Kranich Verein, Bürgeraktion Textilviertel und
des Arbeitskreises Sheridan Kaserne
Stadt Augsburg: Bürgermeisterin Eva Leipprand,
Bewerbungsintendant „Kulturhauptstadt“ Th. Höft,
Stadträtin Chr. Kamm,
Stadtplanungsamt - Frau Steude, Herr Sterz
Hochbauamt – Herr Strüber
Stadtarchiv – Herr Feuerer
AGS Herr Deutschmann



0. Begrüßung
durch Urbanes Wohnen, Frau Skok und Zusammenfassung der Ergebnisse des 1. Workshops vom 05.04.2003


1. Begrüßung
durch Bürgermeisterin Eva Leipprand
Gründe für das Interesse des Kulturreferats am workshop-Thema:
Kulturhauptstadt 2010 (Entscheidung über Zuschlag 2006) und Rolle der Sheridan-Kaserne in diesem Zusammenhang,
Stichwort „Frieden, Bürgerwerkstatt“,
Verbindung Kultur und Stadtentwicklung und deren soziale Seite,
Stadtgeschichte Augsburg,
ein weiteres Treffen nach dem 1. Workshop mit Vertretern des Geschichts AK im April 2003,
Vorstellung des ernannten Bewerbungsintendanten für „Kulturhauptstadt Europa 2010“, Herrn Thomas Höft.


2. Anliegen des Stadtplanungsamtes,
Frau Steude
Ausgangspunkt ist der aktuelle Stand der Rahmenplanung. Wichtig dabei ist eine frühzeitige Konzeptionierung zur Aufbereitung der Geschichte, um z.B. Gebäudenutzungen oder Gebäudeerhalt festzulegen und zu konkretisieren oder dies in die Auslobung eines Grünwettbewerbes miteinbeziehen zu können.



REFERATE UND PROJEKTBEISPIELE:

3. Methoden und Formen der Geschichtsarbeit am Beispiel der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf,
Angela Genger, Leiterin
ausführlicher Text

Projektbeispiele:
- Symposion „Macht und Religion“, Fachpublikation
- Arbeit mit Schulen, Jugend, Kultur
z.B. Zusammenarbeit mit Gymnasien zu 3 Geländen und Erinnerungsorten, die verschwinden werden „wie erinnern wir uns an solche Punkte“ – Bearbeitung, Gestaltung und Präsentation oder z.B. Fahrt mit einer Gruppe Auszubildenden nach Ausschwitz – Vorbereitung u. Durchführung
- Jahrestage zum Erinnern (Medien)
- Gedenkgang zu Orten und Erinnerung an Personen, Lebendigwerden von Erinnerungsorten / Kranzniederlegung
- Ausstellungen, Sonderausstellungen, Wanderausstellungen
- Filmreihe
- Buch
- Projekt Stolpersteine
- Veranstaltung zu Zeitzeugen – Ehrung im Rathaus

Empfehlungen – Lokale Gedenkarbeit als Chance:
- Vernetzung – z.B. mit Uni, mit Historikern – angebunden an den Verein, mit Stadtarchiv, Stiftungen, Förderung durch Konzerne u. Unternehmen, Landschaftsverband
- Finanzierung von Publikationen ist einfacher als von Personalmitteln
- Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung,
- Alltagsdokumente – Erfassung durch Stadtarchiv, Nachlässe, Überlieferung, Archivstellen
- Dialogische Form der Begegnung wählen
- Konkretisierung der Forschung vor Ort – Material nutzen, das sich auf den Ort bezieht
- Ausstellung machen mit einem Thema, das es noch nicht gibt,
- Broschüren zur Ausstellung sind i.d.R. schöner als CD-Rom und auch von Besuchern, die keinen Computer besitzen, zu benutzen
- Überlegungen zu speziellen Angeboten und adäquaten Ausstellungsformen für verschiedene Zielgruppen anstellen (Kinder, Jugendliche, Eltern), Mehrsprachigkeit (Europagelder), Behinderte, Blinde etc.
- Zum Personal: kommunale Gelder sind notwendig, die Stadtspitze muß helfen, Gelder zu beschaffen, es geht nicht nur mit Freiwilligkeit (z.B. wurden Forschungsstipendien durch einen großen Energiekonzern und den OB ins Leben gerufen), Nachwuchs im Projekt über Praktikanten der Universität,
- Begegnungsprojekte – Firmen einbeziehen
- Patenschaftsprojekte
- Standort – ein fester Ort ist erforderlich
- Wie wichtig ist der authentische Ort:
Authentische Orte sind wichtig, haben eine besondere Aura als Ort des Wiedererkennens, des Namens o. als Kunstwerk; zu authentischen Orten gibt es Geschichten, Dialog mit den Besuchern suchen.
- Arbeitskreis gründen, um an Landesmittel zu kommen.

Budget und Personal: der Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf ist Teil der Stadtverwaltung, Budget ca. 100.000.- (ohne Personal) für Projektarbeit, Honorarposition, pädagog. Etat für Führungen, Personal 1 _ Stellen (Leitung + Sekretariat)


4. Ausstellungsformen an bayerischen Erinnerungsorten bzw. Gedenkstätten,
Dr. Ludwig Eiber, Haus der Bayerischen Geschichte
ausführlicher Text

Kurzer Überblick zur Geschichte der Zwangsarbeiter und Erinnerungsformen vor Ort (Bildbeispiele)
- Beispiel Haunstetten - Gedenkstein, Gedenktafel, Gedenkanlage)
- Beispiel Westfriedhof – Gedenkstein, Namensliste
- Beispiel ehem. Michelwerke – Außenlager

Historische Orte - Möglichkeiten des Umgangs mit Erinnerungsorten (Bildbeispiele):
- Plädoyer: Gebäude 116 als ehem. Außenlager Dachau sollte erhalten werden und in die Denkmalliste aufgenommen werden; bis jetzt gibt es noch kein Außenlager, das als Gedenkstätte aufbereitet wurde
- Dachau:
Geschichte des Raumes in Verbindung mit der Lagergeschichte am Beispiel Schubraum – ehemal. Häftlingsbad; bauhistorische Untersuchung; kleine Teilausstellung mit Vorstellung von Häftlingen;
- Mühldorf und Landsberg: Fundstücke aus Lagern
- Kaufering: Ausstellung auf dem Kasernengelände, Funktion und Geschichte der Gebäude mit Informationstafeln
- Weitere Formen an verschiedenen Orten - Denkmal

Empfehlungen:
- Erhalt des historischen Gebäudes als Ort europäischer Geschichte und der europäischen Verständigung
- Kontakte zu KZ-Gedenkstätte Dachau mit einbeziehen, da 116 Außenlager von Dachau
- Untersuchung und Dokumentation sowie Nutzung des Gebäudes wird empfohlen, keine Eingriffe in bauliche Strukturen
- Realisierung ist Aufgabe von Stadt/Land/Bund
Kontaktaufnahme mit Stiftung Bayerischer Gedenkstätten,
(das Landesamt für Denkmalschutz will nichts unter Denkmalschutz stellen; Anmerkung einer Teilnehmerin).
- Zeitzeugenbefragung sollte aus Zeitgründen im Vordergrund stehen
- Das Gebäude 116 erfordert ein Konzept mit weiteren Nutzungsvarianten


Kurze Pause


5. Geschichtslehrpfald Penzberg,
Gisela Geiger, Museumsbeauftrage der Stadt Penzberg
ausführlicher Text

Vorstellung des Geschichtslehrpfades in Penzberg, Entstehungsgeschichte, Akzeptanz und weitere Formen der Erinnerung in Penzberg mit Bildbeispielen.
(Auszug und Lageplan des Lehrpfades aus der Broschüre Penzberg)

Anlaß der Errichtung war 2000 das Stadtjubiläum
„....Sinn und Aufgabe des Geschichtslehrpfades ist es, den heutigen Bewohnern, von denen viele erst nach 1966 geboren wurden oder zugezogen sind, sowie den Besuchern Penzbergs das frühere Erscheinungsbild des Bergwerksortes bewußt zu machen. Im gesamten Stadtgebiet findet man Hinweistafeln, die mit Bild und kurzem Text auf ein verschwundenes Bauwerk oder auf die frühere Form und Funktion eines veränderten Gebäudes hinweisen..... „

- Der Lageplan zum Geschichtslehrpfad liegt in den Infoständen des Penzberger Rathauses aus
- Es bestehen 30 Stationen mit Tafeln auf einem Raum von ca. 1200 qm im Stadtkern, die eigenständig begangen werden können
- Finanzierung über den Etat des Jubiläumsfestetats – Stadt Penzberg mit Sparkassenstiftung
- Zielpublikum ist die ältere Generation (Erinnerung), neu Zugezogene (Interesse) und Schulklassen (Lehrer führen Klassen selbst).
- Der Lehrpfad ist ein Selbstläufer - Ziel ist die historische Dimension in das alltägliche Leben hereinzubringen.
- Weitere Formen der Erinnerung in Penzberg – Denkmal, Bockerlbahn, Kunstmuseum
- Anfang 1999 hat sich ein Arbeitskreis für Stadtgeschichte gegründet

Empfehlungen:
Vernetzung
Für gestalterisch/ästethische Aufgabe - Konzepte entwickeln


6. Anforderungen an die Konzeption einer Virtuellen Ausstellung, Erfahrungen aus dem Projekt LeMO,
Dr. Jürgen Reiche, Haus der Geschichte der BRD
ausführlicher Text

www.dhm.de/lemo/home.html

Das Projekt LeMO ist ein staatl. Unternehmen; eine Zusammenarbeit zwischen dem Frauenhofer-Institut für Software- und Systemtechnik, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin und dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Zielgruppe sind junge Leute und Schulen. Fragestellung war, wie ist es möglich, neue Zielgruppen zu erreichen. Über das Internet werden zusätzliche Zielgruppen hereingeholt. Das Projekt LeMO beinhaltet
- Lexikon
- Visuelle Welten /Audio-Video
- LeMO ist Bibliothek und Museum
- Die Virtuelle Ausstellung bietet 15.000 qm, über 4.000 bebilderte www-Seiten, über 250 digitalisierte Film- und Tonaufnahmen, über 700 Biographien, zahlreiche Statistiken, Karten und Schaubilder
- Nachfolgeprojekte LeMO plus und LeMO lernen (in Zusammenarbeit mit dem Klett-Verlag)

Bisherige Erfahrungen:
- Verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen (6 Schulen in der BRD), der Einsatz im Unterricht ist möglich; Stichwort: Kollektives Gedächtnis, Tagebücher, Schülerwettbewerbe, interaktives Besucherbuch (mit Betreuung).
- Personal für die Umsetzung: Viele Praktikanten, Zeitverträge, Telekom, Forschungsministerium
- Internetausstellung kann nicht konventionelle Ausstellungen ersetzen
- Virtuelle Ausstellungen müssen fortgeschrieben und aktualisiert werden (z.B. Chroniken)
- Das Konzeptgerüst wurde mit einem Stab von Leuten im Verlauf von 2 Jahren erstellt
- Das Programm muß einen Rhythmus haben (Kultur/Historisch/...)
- Kosten ca. 1 Mio. mit Drittmitteln

Empfehlungen:
- Aufmerksamkeit auf den Ort lenken (authentische Orte)
- Kleinere Ausstellungen mit spezif. Themen (z.B. Amerikaner in Deutschland)
- Bundeszentrale für politische Bildung einbeziehen
- Internet-Präsentation ist Zutat
- Zeitzeugenbefragungen einbeziehen
- Materialien aufgreifen – was schon da ist


7. Technische Anforderungen an Ausstattung und Betrieb einer virtuellen Ausstellung
am Beispiel NRW 2000, Dr. Uwe Pöhls, De-Media.de GmbH
27 Folien zum Vortrag (power-point)

http://www.nrw2000.de

- NRW2000 – Entstehung, Motive, Erfahrungen, Inhalte, Nutzungsstatistik
- Online-Nutzungsverhalten in der BRD
- Anforderungen an informationsorientierte websites
- Kosten, technische Anforderungen (Projektkosten NRW2000 ca. 250.000.-, davon ca. 10 % Sponsorengelder)
- Empfehlungen


8. Wie geht es weiter?

Aus Zeitgründen konnte eine Diskussion nicht mehr geführt werden, inwieweit welche Elemente auf ihre Übertragbarkeit auf Augsburg geprüft werden sollten.
Frau Steude zum weiteren Vorgehen:
Es wird eine weitere Abschlußveranstaltung notwendig werden, welche Schlüsse aus den Vorträgen und Empfehlungen zu ziehen sind, bzw. welches Konzept favorisiert und umgesetzt werden kann und was die Stadt Augsburg und interessierte Bürger hierzu leisten können.


Ende der Veranstaltung ca. 18.30 Uhr

Protokoll: UW/H. Jäger 03.10.03