Ergebnisprotokoll

Abschließende AK-Sitzung

zur Geschichte der Augsburger Kasernen

am 7. November 2003, 14 - 17 Uhr

 

Ort:                             Haus der Familie

                                   Hunoldsgraben 27

 

Moderation:                 Urbanes Wohnen e.V.

Anwesende:              ca. 20 TeilnehmerInnen u.a. Vertreter der Geschichts-

                                   Werkstatt Augsburg, Architekturmuseum Schwaben,

Initiative Zwangsarbeit, Kranich Verein, Bürgeraktion

Textilviertel, Arbeitskreis Sheridan Kaserne, Arbeitskreis

Reese Kaserne, Uni Augsburg Lehrstuhl für Soziologie u.

empir. Sozialforschung, Freiwilligenzentrum, Süddeutsches Institut,

Regio Augsburg und weitere Interessierte

Stadt Augsburg:         Bürgermeisterin Frau Leipprand,

Stadtdir. Herr Stadler,

Stadtrat Herr Erben,

Stadtplanungsamt - Frau Steude,

Hochbauamt -Herr Strüber

Stadtarchiv -Herr Feuerer

AGS - Herr Mathe

 

 

 

 

1.     Begrüßung und Einführung durch Urbanes Wohnen, H. Skok / H. Jäger

 

Zusammenfassung und Fazit der bisherigen Workshops zum Thema Geschichte der Kasernen in Augsburg am 05.04.03 und am 26.09.03. Themen dieser Veranstaltungen waren Schwerpunktinteressen, Erwartungen und Projektideen in Augsburg sowie qualitative Anforderungen und unter-schiedliche Formen der Erinnerungsarbeit anhand von Projektbeispielen in der BRD. Die Protokolle und Vorträge dieser Veranstaltungen sind ausführlich nachzulesen unter www.sheridan-kaserne.de, Stichwort Stadtteilarbeitskreis/Geschichtswerkstatt.

 

Insgesamt konzentrierte sich das Thema Aufarbeitung und Präsentation der Geschichte der Kasernen auf drei Schwerpunktthemen:

-       Gebäude 116 als Gedenk- und Erinnerungsort

-       Geschichts-, Erinnerungs-, Gedenk- oder Friedenspfad

-       Erweiterung der Ausstellung zur Geschichte der Kasernen um die soziale Dimension, Aspekt Alltagskultur, Amerikaner in Augsburg.

 

Auf der Grundlage der bisherigen Beiträge und Empfehlungen nehmen auf vielfachen Wunsch nun die städtischen Referate zu Fragen der Erinnerungsarbeit und Realisierbarkeit von Projektideen Stellung.

 

 

2.     Stellungnahme der städtischen Referate


Stellungnahme des Kulturreferates, Bürgermeisterin Eva Leipprand

 

Als sehr positiv bezeichnet Frau Leipprand die referatsübergreifende Zusammenarbeit zwischen Stadtplanungsamt und Kulturreferat , die sich durch die Beschäftigung mit dem Thema entwickelt hat. Folgende †berlegungen sollen als Diskussionsgrundlage dienen:

 

Zum Thema "Kulturhauptstadt" seien verschiedene Phasen zu unterscheiden. Es wird eine Bewerbungsschrift geben. Bewerbungsintendant Herr Höft ist an dem Geschichtsprojekt sehr interessiert unter dem Stichwort Friedensstadt, Entwicklung der Militärflächen hin zu einer friedlichen Nutzung. Konkrete Maßnahmen d.h. Finanzierungsmöglichkeiten zur Umsetzung von Projekten bestünden erst dann, wenn der Zuschlag zur Kulturhauptstadt vorliege. Unabhängig davon sollte jedoch überlegt werden, was ohne Zuschussmittel derzeit getan werden kann.

 

Denkbar wäre eventuell eine Trennung der Themen "KZ-Außenlager" und "Amerikaner in Augsburg" und Darstellung an zwei verschiedenen Orten z.B. ersteres auf der Sheridan-Kaserne z.B. Gebäude 116, letzteres bei der Reese-Kaserne beim oder im Kulturhaus Abraxas. Damit könnten Synergieeffekte (Z.B. Betreuung der Ausstellung durch Mitarbeiter des Abraxas) genutzt werden.

 

Deutlich gemacht werden muss, dass -sofern kein Zuschlag zur "Kulturhauptstadt" erfolge -, ein Museum unrealisierbar sei sowohl was die Errichtung als auch den Betrieb betrifft. Zu bedenken sei außerdem, daß der Standort 116, auch wenn der "authentische Ort" immer wieder betont würde, als Museum für Besucher sehr ungünstig liege. Dies bedeute auch, sich Nutzungsvarianten zu überlegen mit der Möglichkeit, Räume für Erinnerungsarbeit dort einzurichten.

 

Weitere †berlegungen von Herrn Höft zum Thema Erinnerungskultur (= Auseinandersetzung mit etwas, was es nicht mehr gibt, Schuld abtragen), z.B. könnte ein Künstler aus einem der Länder, aus denen Zwangsarbeiter kamen, beauftragt werden, ein Kunstprojekt mit Bezug zur Geschichte zu entwerfen oder aber das Geld, das aus der Verwertung der Immobilie entstehe, sollte an den Fond für Zwangsarbeiter gegeben werden.

 

Sehr beeindruckend sei auch das Beispiel des Geschichtslehrpfads durch die Referentin Frau Geiger beim letzten Workshop gewesen, das in seiner Schlichtheit die Wahrnehmungsschicht im Alltag sehr berühre und auch von der wirtschaftlichen Seite her in dieser Form durchaus realisierbar sei.

 

 

Stellungnahme des Stadtplanungsamtes, Frau U. Steude

 

Die Stadt Augsburg befinde sich bezüglich der Sheridan-Kaserne derzeit in der Phase Verhandlungen mit dem Bund. Bei den Verhandlungen um den Kaufpreis gehe es auch immer wieder darum, welche Gebäude erhalten werden sollen, da diese als Bestand in die Wertermittlung einfließen.

In einem weiteren Schritt müsse jedoch für die Gebäude, die erhalten werden sollen, eine Nutzung gefunden werden (durch Stadt oder Investoren).

Dabei ist auch zu beachten, dass jede Nutzung Ausstrahlungskraft auf das Gesamtgebiet hat. Es kann deshalb nicht Sinn und Zweck sein, ein KZ-Außenlager "nachzubauen", vielmehr sollte im Hinblick auf die Bewerbung zur Kulturhauptstadt mit dem Thema Frieden Verantwortung für die Zukunft übernommen werden. Ziel sollte sein, aus der Geschichte der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen.

 

Zum Thema amerikanische Geschichte gebe es bereits ganz konkrete Kontakte, wie weiteres Wissen zusammengetragen, dokumentiert und gesammelt werden könne. Frau Wolf vom Architekturmuseum habe zur Universität Augsburg Kontakt aufgenommen, um über Seminarthemen, Fach- und Diplomarbeiten die Beschäftigung mit der jüngsten Geschichte anzuregen, ein Dozent und Studenten der Uni sind heute hier auch vertreten.

In dem Bemühen des Stadtplanungsamtes, über das Freiwilligenzentrum in Augsburg Kontaktpersonen für Zeitzeugeninterviews und Materialsammlung zu finden, konnte Frau Pauer gewonnen werden, die heute ebenfalls anwesend ist. Insgesamt gehe es darum, weiteres Wissen zu sammeln.

 

Ebenfalls denkbar und sinnvoll wäre aus ihrer Sicht auch ein Gedenkpfad.

 

 

3.     Diskussionsbeiträge

 

Herr Kucera, Initiative Zwangsarbeit:

Als Gedenkort wäre die Halle 116 vorgedacht. Als zukünftige Nutzung ist sowohl eine kulturelle oder soziale Nutzung (z.B. junge Arbeit, Vereine, AWO) denkbar, jedoch keine Disco oder ähnliches. Die Idee Kunstprojekt wird eher skeptisch gesehen. Zeitzeugengespräche habe es bereits in der Vergangenheit schon gegeben.

 

Frau Wolf, Architekturmuseum Schwaben:

Zum Forschungsprojekt Geschichte der Kasernen: Thema Friedensstadt habe einen aktuellen Stellenwert, alle aktiven Personen, die am Thema arbeiten, könnten im Gebäude zusammengeführt werden, auch unter dem Aspekt interkulturelle Arbeit.

Für das spezifische Projekt amerikanische Geschichte in Augsburg könnten Studenten der Uni Augsburg, Lehrstuhl für empirische Sozialforschung gewonnen werden. Das Instrumentarium sei da, die Ergebnissicherung wäre die Basis, an der man später weiterarbeiten könnte. Die Kontaktaufnahme zur Uni Passau, Studiengang Kulturwirtschaft, könnte man für ein Sponsorenprojekt zum Haus 116 ansetzen. Außerdem stehe die Dringlichkeit von Zeitzeugeninterviews an erster Stelle. Dies alles sei ein Versuch, die Stadt Augsburg mit der Universität zu verknüpfen.

 

Herr Egger, AK Sheridan-Kaserne:

Die Authentizität des Ortes habe eine hohe Bedeutung, wie auch aus den Vorträgen zu hören war. Das Argument, daß der Ort Gebäude 116 zu weit draußen liege, solle sich ja anders entwickeln, er solle zum innen werden. Es gäbe außerdem andere Orte wie z.B. das Textilmuseum das ebenfalls  weiter entfernt liege.

Befürwortet wird die Idee eines Lehrpfades und die wissenschaftliche Aufarbeitung. Eine Exkursion der Bürgeraktion Pfersee zur derzeitigen Kulturhauptstadt Graz und der Besuch des sog. "Erinnerungs-berges" blieb nachhaltig im Gedächtnis - ein Projekt, bei dem Geschichte erlebbar wurde, in dem man sich wieder findet, also Geschichte von unten.

 

Herr Taubert, Süddeutsches Institut:

Die örtliche Trennung der Erinnerungsarbeit wäre gut. Die konzipierte Holzsiedlung amerikanischer Bauart könne ebenfalls ein Beitrag sein. Seiner Meinung nach würde damit die Sponsorensuche bei amerikanischen Firmen sicher einfacher.

 

Weitere Beiträge:

-       Anregung, die Zusammenarbeit mit Schulen intensivieren -Nutzungsvariante des Gebäudes 116 für Schülerforschung, eigenständige Geschichtsarbeit, Erkundigungen.

-       Augsburg stelle sich auf der Immobilienmesse Expo-Real mit dem Gelände Sheridan relativ schlecht dar, bei der ja auch Investoren vertreten sind. Was sei für den Standort attraktiv und welche Rahmenplanung und Akzeptanz liege konkret vor?

 

Antwort der Stadt Augsburg zum Thema Sponsoring und Gebäude 116:

 

Sponsoring decke immer nur einen Anteil der anfallenden Kosten, wie die Projektbeispiele beim letzten workshop gezeigt haben. Beim Gebäude 116 müssen folgende Kosten berücksichtigt werden

-       Finanzierung des Grunderwerbs

-       Kosten der Herstellung und der Altlastensanierung

-       Personal und Bewirtschaftung.

 

 

4.     Konkretisierung von Projektvorschlägen in Arbeitsgruppen

 

Das Interesse der Anwesenden konkretisierte sich auf die zwei Schwerpunktprojekte "Gebäude 116" und "wissenschaftliche Aufarbeitung (Amerikaner in Augsburg und Geschichte bis 1945. Urbanes Wohnen stellte für die Weiterentwicklung der Projektideen eine Checkliste vor, die bei den weiteren †berlegungen als Orientierung dienen soll. Ziel ist die selbständige Weiterarbeit von interessierten Bürgern und Fachleuten an einer Konzeptidee über die vom Stadtplanungsamt initiierte workshop-Arbeit hinaus.

 

 

Ergebnisse der Arbeitsgruppen:

 

Die Arbeitsgruppe "Gebäude 116" diskutierte über Möglichkeiten des Erhalts und der Nutzung des Gebäudes. Prämisse ist die Einrichtung eines Erinnerungsortes.

( Hr. Egger, Hr. Hoell, Hr. Jungmann, Hr. Kucera, Frau Laun, Hr. Mathe u.a.)

 

Rahmenbedingungen

-       Es soll ein Erinnerungsort mit anderen, kompatiblen Nutzungen werden

-       Das Projekt muss eine positive Ausstrahlung haben

-       Es sollte in das Marketing-Konzept integriert werden, d.h. Kontaktaufnahme mit den Verfassern

-       Herr Mathe kalkulierte die Kosten für den Grunderwerb mit 1,3 Mio., die Sanierungskosten (1.200 m³ umbauter Raum) mit ca. 2,4 Mio.

 

Wer nutzt ?

-       religiöse Einrichtungen

-       kulturelle Einrichtungen (Vereine, Bibliothek)

-       Bildung, Forschung, Wissenschaft

-       Ggf. Unterstellräume / Lager, Werkstatt

 

Wer kauft ?

-       Einzelner Investor/Träger

-       Projektträgergesellschaft (Genossenschaft oder BGB Gesellschaft)

-       Stiftung

 

Wer kooperiert?

In der Diskussion wurde schnell deutlich, dass die Mitglieder der Arbeitsgruppe ebenso wie die Vereine, die sie vertreten, mit der Entwicklung eines Projekts in dieser Größenordnung überfordert sind. Als Akteure, die über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügen und zur Mitarbeit eingeladen werden sollten in einer sog. " Aktionsgemeinschaft Erinnerungsort Gebäude 116" wurden identifiziert:

-       IG Zwangsarbeit

-       Kulturreferat und der Bewerbungsintendant für die Kulturhauptstadt

-       IHK

-       Augsburg AG

-       Soziale Träger

 

 

Die Arbeitsgruppe "wissenschaftliche Aufarbeitung" diskutierte über Umfang, Vernetzungen und Zielgruppen einer Aufbereitung zur Geschichte der Amerikaner in Augsburg.

(Hr. Fürmetz, Hr. Feuerer, Pfr. Groll, Fr. Pauer, Fr. Hutars, Hr. Schmidt, Hr. Strüber, Hr. Taubert, Fr. Wolf)

 

Projektziel

Materialsammlung/Archiv + Ausstellung (Einzel- oder Dauerausstellung) + eventl. homepage

 

Anstehende Aufgaben

-       Informationen sichern

-       Zeitzeugen befragen

-       Material sammeln und archivieren (Fotos, Objekte, Gegenstände, Archivmaterial etc.)

-       Ausstellungskonzept entwickeln (Teilprojekte, Einzel- und Dauerausstellung)

-       Kostenfrage für Ausstellung klären

 


Zielgruppen

-       Amerikaner (Besucher, Touristen, ehemal. Stationierte)  -  (Wieder-)erkennen von Orten

-       Schüler von Schulen auf dem Kasernengelände oder angrenzenden Stadtteilen, z.B. Centerville-Süd-Schule

 

Vernetzung/Kooperationen/Kontakte

Einbindung von Personen vor Ort z.B.

-       Freundeskreis ehemal. Deutscher Zivilangestellter

-       Deutsch-amerikanischer Frauentreff

-       Kulturelle Elemente amerikanischer Musik und Kultur der GI`s in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einbinden (z.B. Gospelchor, breakdance-, Rap-Gruppen)

-       Universität Augsburg (für Zeitzeugengespräche, Seminarthemen, interdisziplinär)

-       Stadt Augsburg

 

Rahmenbedingungen

-       Für die Koordination Materialsammlung und Zeitzeugeninterviews stellt sich Frau Dr. Wolf vom Architekturmuseum Schwaben zur Verfügung. Für die Zeitzeugenkontakte und Recherche wird sie von Frau Pauer (vermittelt über das Freiwilligenzentrum) unterstützt, Arbeitsplatz ist das Architekturmuseum. Herr Feuerer bietet ebenfalls seine Hilfe an bei der Materialsammlung und Archivierung.

-       Mit Blick in die Zukunft sollte ein Förderkreis gebildet werden. Vorläufig wird das Ziel "wissenschaftliche Aufarbeitung Amerikaner in Augsburg" weiter unterstützt von den TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppe, die sich den Namen gibt "ARGE Amerikaner in Augsburg"(AiA).

-       Eine Teilnehmerliste der AG wird erstellt und für zukünftige Treffen an Frau Wolf übergeben.

-       Ansprechperson für das Projekt ist Frau Dr. Wolf, Architekturmuseum Schwaben.

-       An welcher Stelle Zwischenergebnisse der ARGE zukünftig präsentiert werden sollen (z.B. AK Sheridan, Internet, eigenes Forum) blieb zunächst offen.

 

 

 

5. Wie weiter ?

 

Nachdem Frau Leipprand aus terminlichen Gründen die Veranstaltung vorzeitig verlassen musste, konnte nicht mehr abschließend erörtert werden, wie die weitere Arbeit der Teilnehmer des Workshops betreut wird bzw. wie und von wem die Ergebnisse z.B. in die Bewerbung zur Kulturhauptstadt aufbereitet werden. Diesem Punkt sollte verwaltungsseitig nochmals nachgegangen werden.

 

Von Seiten des Stadtplanungsamtes wird vorgeschlagen, dass in regelmäßigen Abständen (z.B. 4 mal pro Jahr) ein weiterer Workshop (vom Kulturreferat) mit allen Teilnehmern, die an den Projekten arbeiten, veranstaltet wird. Dort solle ein Informationsaustausch stattfinden und weitere Teilschritte erörtert werden.

 

Ferner wurde der Wunsch geäußert, dass die Verwaltung zu den von den TeilnehmerInnen vorgebrachten Aufgaben Stellung nimmt, damit die BearbeiterInnen ein Ziel vor Augen hätten, auf das sie hinarbeiten könnten (z.B. auf eine Ausstellung).

 

 

 

Ende der Veranstaltung ca. 17.30 Uhr

 

 

 

Protokoll: UW/H. Jäger 12.11.03